Vom Peipsi See bis nach Tallinn


Nach zwei Tagen am See packt es uns wieder und wir tuckern in Richtung Norden ans Meer. Los gehts zunächst über ein Stück Piste am Fluss Rannapungerja entlang. Piste am Rannapungerja Irgendwie bringen wir die km schnell hinter uns und sind schon relativ bald in Tallinn.

Der Camping Platz unter dem Fernsehturm ist überhaupt nicht ausgeschildert und man muß wissen, dass er dort ist. Allerdings ist der Fernsehturm von fast überall aus der Stadt zu sehen und so fährt man einfach darauf zu. Direkt neben dem Platz ist eine Bikerkneipe und auf dem Platz auch. Kurz darauf stellt sich heraus, dass am Camping die Rennstrecke der estnischen Ausgabe der Tourist Trophy entlangführt. Hier ist tragischerweise Joey Dunlop beim Rennen am 2. Juli 2001 tödlich verunglückt.
Da wir ja ein paar Tage im "Outback" verbracht haben, gehts erstmal direkt zur Laundry. Tallinn ist verglichen mit Riga noch viel westlicher. Überall ausserhalb der Altstadt blitzen neue Stahl-Glas-Beton Bauten auf. Zwischendrin gibt es noch orginal alte Holzhäuser. Tallin hat wohl eine der am besten erhaltenen mittelalterlichen Altstädte Europas. Viele Häuser sind kunstvoll renoviert. Wir nehmen uns gute anderthalb Tage Zeit, um die Stadt zu erkunden. Man könnte noch viel länger bleiben, um sich die Schauplätze der vielen Geschichten, die hier stattfanden, anzuschauen. Das haben auch die Esten kapiert und nehmen auch das Geld dafür.
Gegensätze Hausdrache ? Drei Schwestern
Wir schauen uns noch den Hafen an, von dem aus die Fähren im Stundentakt nach Helsinki überfahren. Hier wird klar, warum Tallinn auch als südlicher Stadtteil von Helsinki bezeichnet wird. Leider gehört zu viel Business auch immer viel Armut, die man in Tallinn auch sehen kann: Gleich außerhalb der Altstadtmauern sieht die Welt schon nicht mehr so schick aus.

Über die estnischen Inseln wieder zurück nach Lettland

Bei uns wirds langsam, aber sicher mit der Zeit knapp - und da wir noch auf die estnischen Inseln wollen, machen wir uns auf den Weg zum kleinen Fährhafen Rohuküla bei Haapsalu. Nachdem wir nach Heltermaa auf Hiiumaa übergesetzt haben, regnet es wie aus Kübeln. Schon die Überfahrt war etwas wackelig und wir haben uns gefragt, ob die 500er wohl auf ihrem Seitenständer stehen bleibt. Aber kein Problem - alles ist bestens, als wir ankommen.
Wir finden bei Kärdla Unterkunft in einer Holzhütte. Es gibt ein 5*Deluxe Plumpsklo, und mit einer Flasche Rotwein ist der Abend trotz Unwetter draußen gerettet. Neben den Hütten gibt es auch noch eine holzbefeuerte Sauna, die der Wirt auf Wunsch anfeuert. Morgens scheint die Sonne wieder und Hiiumaa zeigt sich von seiner schönsten Seite.
Windmühlen auf Saaremaa Hier ist es, als ob die Zeit stehen geblieben ist. Ziemlich dünn besiedelt und von der russischen Belagerung teilweise unbeachtet geblieben, bieten die estnischen Inseln ein Naturparadies. Hier auf den Inseln weht immer ein frischer Wind, aber wir haben auch das Gefühl, dass jetzt Ende August die Temperaturen schon wieder etwas zurückgehen.
Wir tuckern weiter bis nach Soru, wo die Fähre zur gößten Insel Estlands übersetzt. Die Überfahrt nach Saaremaa dauert ca. 1 Stunde und das Schiff erinnert eher an eine kleine Flussfähre als an eine Ostseefähre. Demnach steht man die Stunde neben dem Mopped auf Deck und genießt die Sonne. Auf Saaremaa müssen wir leider gleich in Richtung Festland halten, da jetzt die Zeit immer knapper wird.
Wir fahren noch bis Koguva. Koguva ist ein Dorf, das eigentlich ein Museum ist. Das Dorf besteht fast ausschließlich aus reedgedeckten alten Fischerhäusern. Als wir es von der Straße aus gesehen hatten, wollten wir eigentlich nur mal schauen - sind dann aber mit den Bewohnern ins Gespräch gekommen. Bei der Frage nach einer Zeltmöglichkeit rutschen wir dann in eine Privatunterkunft in diesem Dorf. Soll uns auch Recht sein: wir verbringen die Nacht in einem Orginal 50er Jahre-Schlafzimmer der Familie. Am nächsten Tag gibt es ein Frühstück, nach dem wir die nächsten drei Tage nichts mehr essen brauchen. Total vollgestopft packen wir jeder noch 2 Stullen ein und dann gehts wieder weiter.
Museumsdorf Koguva Wir nehmen Morgens früh ab Kuisvastu die Fähre zurück auf das Festland und fahren mal wieder eine lange Etappe. Die ganze estnische Küste geht es runter. Der Grenzübergang Estland Lettland geht diesmal super schnell und so kommt es, dass wir am Abend schon hinter Riga sind. Wir wollen noch etwas die Küste westlich von Riga hochfahren. Da wir uns nicht nochmal den Jurmala Camping geben wollen, fahren wir weiter und schlagen unser Zelt direkt im Kiefernwald am Meer auf.

Über das Kap Kolka und durch die Kurzeme zurück nach Klaipeda

Wir kochen bei einem bitterkalten Wind und kriechen an diesem Abend ob der Kälte ziemlich schnell in den Schlafsack. Am nächsten Morgen brauchen wir eine Weile, bis die Sonne uns auftaut, bevor wir so richtig aktiv werden. Unser Ziel ist eine der verlassensten Gegenden des gesamten Baltikums: Die Kurzeme." Während des kalten Krieges waren weite Teile dieser Landschaft Sperrgebiet. In Lipaja waren russichen Atom-U-Boote stationiert und in Skrunda war eine strategisch wichtige Radarstation. Noch heute ist in Skrunda ein kleines Kontingent von rus. Aufklärunsspezialisten stationiert." [aus Baltikum Richtig Reisen Dumont Buchverlag 1997]
Sonnenaufgang an der Bucht von Riga Unterwegs zum Kolkarags sieht man kaum noch Verkehr. Irgendwie witzig wenn man weiß, dass Riga mit seinem quirligen Verkehr weniger als ein bis zwei Stunden Fahrt weg ist. Am Kolkarags bei der Ortschaft Kolka treffen sich das baltische Meer und der Golf von Riga. Am Kap selber - wo natürlich die Touristendichte höher ist - gibt es auch ein kleines Denkmal und es wird geräucherter Fisch verkauft. Kap Kolka Wir laufen wie die anderen Touris auch zum Strand raus und schauen uns das Naturschauspiel an. Im einzigen Laden von Kolka stocken wir noch mal etwas unsere Bestände auf, bevor wir uns auf die Piste in Richtung Ventspils begeben. Kurz nach Kolka hört der asphaltierte Teil der Straße auf und auf einer sehr gut befahrbaren Schotterpiste gehts weiter bis nach Mazirbe. In Mazirbe selber leitet uns mal wieder ein "Schildermeer" direkt in den Garten von de Leuts`. Der auch als Camping funktionierende Garten ist mal wieder mit einem Luxusplumpsklo ausgestattet und wir bekommen noch das Feuerholz für das abendliche Lagerfeuer umsonst dazu. Bei Räucherfisch und Wein geniessen wir die schöne Vollmondnacht. Mittlerweile merken wir, dass es früher dunkel wird - dafür dauert aber die Dämmerung fast zwei Stunden. Piste bei Mazirbe Der Rest der Piste von Mazirbe bis nach Ventspils mit einem Abstecher nach Mikeltornis mit seinem Leuchtturm fahren wir am Vormittag. Ventspils lassen wir rechts liegen (weil hässliche Hafen-Industriestadt) und machen weiter ins Landesinnere nach Kuldiga. Kuldiga lohnt sich sehr, da es hier noch viele echt alte, im original baltischen Stil gebaute Holzhäuser gibt. Ein kleiner Rundgang durch die Stadt ist deshalb absolut empfehlenswert.
Zurück an die Küste geht es wiedermal durch eine absolut dünn besiedelte Landschaft.(im gesamten Baltikum leben ca. 7,5 Millionen Menschen auf einer Fläche von 173 000km2). Wir treffen bei Liepaja wieder auf die Ostsee. Der etwas südlich der Stadt in der Karte eingezeichnete Campingplatz existiert wirklich und wir haben nochmal einen super Abend mit dem obligatorischen Lagerfeuer. Auch auf dem Camping Platz sind Holger und Doro, die wir an diesem Abend kennen lernen. Die beiden sind gerade auf ihrer "Grenzen Europas Tour" für ein Jahr mit ihrem großem Benz-Bus unterwegs. Der Abend wird gefüllt mit Reisestories aus aller Welt und einiges an Bier. Die beiden sind erst am Anfang ihrer einjährigen Reise, und wir beneiden Sie, denn heute ist unser vorletzter Tag im Baltikum.
Am nächsten Morgen wird noch gemütlich gefrühstückt und wir machen uns auf den Weg nach Klaipeda, wo am Abend das Schiff zurück nach Kiel geht. Die Überfahrt beinhaltet diesmal 2 Nächte an Bord und da das Wetter auch nicht so berauschend ist, wirds relativ langweilig. In Kiel gehen wir von Bord und stürzen uns in den extrem dichten deutschen Verkehr. Wir sind am Anfang ganz schön geschockt, wieviele Autos es doch in Deutschland gibt...



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