Pucón


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Wiedermal müssen wir zurückfahren auf die Ruta5, um etwas weiter südlich wieder eine Stichstrasse in Richtung Anden zu nehmen. Diesmal führt uns diese zum Fuss des Vulkans Lonquimay. Dieser ist noch ziemlich aktiv und hat erst vor vier Jahren, bei seinem letzten Ausbruch, einen neuen Krater gebildet. Der Ausbruch war an Weihnachten und so heisst der neuen Krater eben Navidad. Einfach oder ? Wir zelten auf einer typ. schweizerischen Almwiese beim Hostel La Suizandina (www.suizandina.com ). Die Schweizer Besitzer sind 20 Monate mit dem Fahrrad getourt und haben sich dann hier niedergelassen.
Am ersten Abend werden wir über das Fenster auf der Rueckseite der Küche mit aus dem Topf einer Reisegruppe versorgt - wir kennen den Koch aus einem Hostel weiter im Norden. Bei eigentlich strahlenden Sonnenschein probiert Markus im Alleingang den 2764m hohen Vulkan zu bezwingen. Nur wenige Meter trennen ihn noch vom Gipfel, als starker Wind und aufziehendes schlechtes Wetter ihn zur Umkehr zwingen.
Währendessen verliebt sich Heike in Cheesy, der durchgeknallten Hostelkatze. Durch diesen Umstand und zwei weitere Regentage sowie ein verstopftes Ohr (Markus) das erst durch eine fachmännische Spülung in Temuco befreit wird, geht es erst nach knapp einer Woche weiter. Es sind ausnahmsweise mal zwei Tage ohne Regen vorhergesagt.

 

 

 

Nicht ohne vorher nochmal am Fuss des Vulkans die urzeitlichen Araukarien zu bewundern. Die weit über tausend Jahre alt werdenden Bäume werden von den Einheimischen auch las paraguas (Rgenschirme) wegen der schirmförmigen Baumkrone genannt und sind das Wahrzeichen Chiles. Jetzt haben wir die erste längere Piste vor uns. Es soll hinter einem weiteren Vulkan durch die Anden in das nächste Tal weiter südlich gehen. Die erste Herausforderung stellt sich uns gleich nach 20km. Hier ist der Tunnel de las Raices - ein 4km langer alter Eisenbahntunnel. Er ist nur einspurig befahrbar, hat keinerlei Beleuchtung, ist nicht asphaltiert und ca. alle 50m regnet es Sturzbäche von der Decke, weshalb auch rechts und links der Piste jeweils metertiefe Bäche zum Ausgang fliessen. Vor lauter Begeisterung würgt Heike ihre XT ab und sorgt so für zusätzliches Adrenalin. Durch unsere sportliche Fahrweise brauchen wir für die Strecke gut 20min. was zu einem mittleren Verkehrschaos auf der anderen Seite führt - peinlich !!!!

Die Mühen haben sich gelohnt, denn nach dem Tunnel tut sich eine wunderschöne Hochebene auf, die vom Bio Bio durchzogen wird. Dannach geht es über mehr oder wenige gute Pisten immer weiter hoch und wir wundern uns schon, ob wir noch auf dem richtigen Weg sind. Schon an der Schneegrenze haben wir endlich die Passhöhe erreicht und dannach geht es in wenigen Kilometern steil bergab in das nächste Tal. Für diese 200km haben wir über 6 Stunden benötigt und wir fragen den nächstbesten Bauern ob wir bei ihm campieren dürfen. Wir fallen nur noch todmüde in die Schlafsäcke und so geht es erst am nächsten Tag weiter und wir erreichen unser eigentliches Ziel Pucón. Diese Stadt ist eine der 3 Touristenzentren Chiles und es lässt sich leicht erahnen, was hier in der Hoschsasaison los sein wird. Deshalb zelten wir wieder etwas ausserhalb auf dem Hof Kila Leufu. Die nächsten Tage regnet es mal wieder sintflutartigund wir schicken überflüssiges Gepäck (Sonnencreme, T-Shirts usw.) zurück nach Santiago um Platz für eine 4X5 Meter grosse wasserdichte !!!! Plane zu schaffen. Von dem anscheinend perfekt geformten Vulkan Villarica haben wir bis jetzt leider wegen der Wolken noch nichts gesehen. So wärmen wir uns in einer der hier zahlreichen Thermen auf und schlagen die Zeit mit Kuchenessen und Internetcafes tot. Auf dem Hof gibt es glücklicherweise eine Ruka - ein original Mapuche Haus - in dem das Lagerfeuer nie ausgehen darf und an dem wir die verregneten Abende verbringen. Mittlerweile sind wir "touristas ahumadas" (geräuchert) und trauen uns wegen des Aromas kaum noch in geschlossene Räume. So langsam haben wir vom vielen Nass genug und ändern vielleicht die geplante Route etwas ab und fahren erstmal auf die trockene Seite der Anden nach Argentinien. Dort geht es dann weiter südlich...


Doch das Ausharren hat sich schliesslich doch noch gelohnt, denn fuer die naechsten Tage wird endlich Sonne vorrausgesagt. Das nutzen wir dann auch gleich aus, um mit noch zwei anderen Deutschen eine mehrtaegige Wanderung in die Berge zu unternehmen. Unglaublicherweise ist das auch noch mein Vorschlag (die wandergepruefte Heike), Markus dachte zuerst an einen ueblen Scherz, aber wahrscheinlich war ich von der langen Warterei im Regen muerbe und ich habe diese Entscheidung hinterher auch mehrmals bereut. Vor 3 Tagen sind wir also mit Zelt und Proviant aufgebrochen und wollten nur mal schnell zu einem 20 km entfernten Bergsee (das "Berg" haette mich schon stutzig machen sollen).


Um so hoeher wir kommen, umso mehr Schnee liegt natuerlich (immerhin hatte es tagelang nur geregnet), bis wir uns zu guter letzt oberschenkeltief durchgraben muessen und wir in der Daemmerung gerade mal den Bergruecken erreicht haben, um dort oben im Schnee und bei ziemlicher Kaelte zu campieren.

 

 

Belohnt werden wir jedoch durch den Rundblick auf mehrere Vulkane und als es Dunkel wird, kann man den Villarica sogar gluehen sehen, was bei Vollmond und sternklarer Nacht verdammt schick aussieht. Am naechsten Morgen geht es dann wieder stundenlang durch meterhohen Schnee, ein Weg ist schon lange nicht mehr zu erkennen und wenn wir Glueck haben, sehen wir manchmal noch die Spitze eines angemalten Bambusstockes aus dem Weiss ragen. Nach einigen Stunden und komplett nassen Hosen & Schuhen nehmen wir dann doch eine Abkuerzung querfeldein, zelten auf einer huebschen Almwiese und kommen schliesslich ganz schoen geschafft im Hostel an. So schnell kann man hier ein Abenteuer erleben aber im Nachhinein hat das dann doch ziemlich Spass gemacht.
Augenblicklich wird das Wetter mal wieder schlechter, aber wir hoffen noch, morgen endlich wieder weiterfahren zu koennen. Immerhin haben wir bisher fuer ca. 1000 km Strecke gut 5 Wochen gebraucht und in diesem Tempo schaffen wir es hoechstens durch Chile...








Letzte bekannte Position vom 20.11.2002 : 39,3413°S 71,7414°W

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