Don't cry for me


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Nach dieser schoenen Wanderung und dem Anflug von Sonne, wird die naechste Regenphase prognostiziert. Richtung Sueden sieht es noch schlechter und kaelter aus und deshalb fluechten wir uns also nun doch auf die argentinische, trockenere Andenseite.
Die Grenzstrasse fuehrt durch den Nationalpark Llanin und immer wieder hat man Ausblicke auf einen der schoensten Vulkane Suedamerikas. Je hoeher wir kommen, umso beeindruckender schiebt sich uns das schneebedeckte Massiv, mit dem perfekt geformten Kegel, entgegen. Wir fahren an wunderschoenen Bergseen und Waeldern vorbei, passieren problemlos die chilenische Grenze, muessen jedoch noch 20 km "Niemandsland" durchqueren, bevor wir den argentinischen Grenzposten erreichen. Jahrzentelang wurde um die Grenzfuehrung gestritten, auch heute noch beschuldigen sich beide Laender des Raubes und das ist nun augenblicklich die Loesung des Konflikts. Unser erster Grenzuebertritt verlaeuft wider Erwarten voellig problemlos, nach 10 Minuten erhalten wir ein 8-monatiges Touristenvisum und koennen weiterfahren.
Schlagartig aendert sich die Landschaft, Pampagras, Buesche soweit das Auge reicht und kein Baum ist mehr zu sehen. Selbst die Piste wechselt von Schotter zu Lavasand und sofort weht uns der oftmals furchtsam beschriebene, patagonische Wind entgegen. Zumindest laesst diese Halbwueste trockeneres Wetter erhoffen, wir geniessen Sonne & Waerme und tuckern langsam weiter bis San Martin de los Andes. Dieses Staedtchen ist das argentinische Pendant zu Pucon, idyllisch an einem See + Vulkan gelegen und dementsprechend von Touristen heimgesucht. Die argentinische Wirtschaftskrise hat den Boom zwar etwas eingedaemmt, aber waehrend man frueher eher im billigen, chilenischen Pucon Urlaub machte, kommen nun die reichen Chilenen ueber die Anden und profitieren von der Inflation des argentinischen Pesos. Vor einem Jahr noch war der 1:1 an den "heiligen Dollar" geknuepft, was zu wahnwitzigen Preisen gefuehrt hat, welche wir uns nie haetten leisten koennen. Dieses kuenstliche Produkt ist jetzt wie ein Kartenhaus eingestuerzt, der Mittelstand hat alles verloren, die Armen haben noch mehr Schulden, die Reichen verlassen mit ihrem Kapital das Land und der Peso pendelt sich so langsam bei 3,5 : 1 Dollar ein.
Wir schlagen unser Zelt auf dem Campingplatz des argentinischen Automobilclubs auf, der natuerlich an einer fetten Strasse angelegt wurde, wodurch wir in den naechsten Naechten durch fehlende, kaputte Auspuffe und kreischende Keilriemen wachgehalten werden. Eine Erkaeltung zwingt Markus in den Schlafsack, hindert uns die naechsten Tage an der Weiterreise und so lernen wir San Martin ueber Gebuehr bis zum letzten Winkel kennen und sind dann auch ganz froh, irgendwann wieder weiterfahren zu koennen.
Naechster Halt ist Barriloche, die Hochburg der andinen Schokoladenproduktion und ein gutes Beispiel dafuer, wie unterschiedlich Eindruecke doch sein koennen. Als wir ankommen, sind wir vor allem genervt von dem chaotischen und nicht durchschaubarem Verkehrssystem, von zuuu vielen Peace-Going Native-Schnorrer-gestrandeten- Rucksacktouristen, dem seltsamverkrampften Campingplatzbesitzer und fahren deshalb gleich am naechsten Tag weiter. Andere haben inzwischen voellig begeistert von diesem Ort berichtet und vielleicht sollten wir auf dem Rueckweg doch nochmal dort vorbeischauen.
Die weitere Strecke nach El Bolson geht am folgenden Tag durch das Gebiet "Siete Lagos", wir werden umringt von Wasser und nach jeder Kurve eroeffnet sich ein noch schoenerer Blick auf die zum Teil riesigen Seen.
Tags darauf geht es schon nach Esquel, wo wir endlich eine laengere Pause machen wollen. Der Zeltplatz "La Mochillera" ist huebsch, mit einem risigen Aufenthaltsraum + Kueche und noch dazu unglaublich billig. Eigentlich sind wir nur hier, um mit dem alten Patagonienexpress "La Trochita" zu fahren, einer Schmalspurbahn, die noch vor 20 Jahren in einer Woche die 1000km bis Buenos Aires tuckerte und ueber die wir zuhause ein Buch gelesen hatten (Dank nochmal an C+J fuer das nette Geburtstagsgeschenk!!). Ausserhalb der Ferienzeit faehrt sie jedoch nur ein mal woechentlich und so begnuegen wir uns damit, die Lok auf dem alten, noch originalen, Bahnhof zu besichtigen.





Letzte bekannte Position vom 15.10.2002 : 49°48"12'N 8°12"24'E
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