Heisser Wind


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Jetzt steht uns die Durchquerung des Landes bevor, da wir unbedingt bis Mitte Dezember auf der Peninsula Valdez sein muessen, wenn wir die sonst weiterziehenden Grauwale noch sehen wollen.
Vor uns liegen 700 km durchs Landesinnere und die erste Etappe fuehrt durch "wuesteste" Pampa. Es gibt keinen Baum, folglich keinerlei Schatten und wir sind ueber jede Tankstelle froh, an deren Mauer wir vor der Sonne fluechten koennen. Dazu weht ein steter, heisser Wind, der in den Augen brennt und selbst Ohrschmalz zum Trocknen bringt. Nach 300 km stossen wir auf das Chubut-Tal, einem coloradobunten Flussufer, von steilen Felsformationen umringt. Voellig ausgedoerrt und erledigt erreichen wir abends das Doerfchen Los Altares, das nur deshalb von Interesse ist, da am Fluss ein paar Trauerweiden ueberlebt haben und wir dort zelten wollen. Bald werden wir von den unter 10-jaehrigen Bewohnern + aufpassendem Rentner umzingelt, begafft, ausgefragt und koennen erst in Ruhe kochen, als wir sie mit unserem Naturreisefuehrer und den vielen bunten Bildern darin begluecken. Wir sind einfach zu geschafft, wollen essen und schnellstmoeglichst schlafen und sind froh, als wir bei Einbruch der Dunkelheit endlich allein gelassen werden. Am naechsten Tag wachen wir voellig verquollen auf, der Tribut des Windes, und sobald wir wieder sehen koennen gehts weiter.
Trotz des widrigen Klimas wimmelt es hier nur so von Tieren, die jedoch meist, erschreckt von den Motorengeraeuschen, die Flucht ergreifen. Die ersten Guanakos tauchen auf. Diese kamelartigen Tiere leben in Gruppen, angefuehrt von einem Leithengst, der immer hektischer wiehert, sobald man sich ihnen naehert. Auch unsere ersten Nandus sehen wir nur noch fliehend - Papastrauss rennt voran, gefolgt von kullernden, sich vor Schreck ueberschlagenden Jungtieren, die nur noch hinter den naechsten Strauch stuerzen. Ein Guerteltier scheint uns erst beim Vorbeifahren zu registrieren, rennt hektisch hin & her, schlaegt aber gluecklicherweise die richtige Richtung in die Steppe ein. Aus seinem Panzer werden hier folkloristische Gitarren (Churangos) hergestellt und ich war doch froh, nicht ueber sowas drueberzuhoppeln...
Ueberhaupt erleben wir mindestens genausoviel Brehms Tierleben in totem Zustand auf der Strasse liegend. Wir passieren Unmengen tote Hasen, die fast gleich aussehenden Maras (eine Art Meerschweinchen in ganz gross), riechen den Kadaver eines Stinktieres 100 Meter im Vorraus und einmal liegt gar ein bizarr auf den Ruecken gedrehtes, aufgeblaehtes Pferd neben der Strasse! Bremsspuren zufolge wurde es wohl von einem Laster gerammt, aber bei so wenigen Fahrzeugen und so weiter Sicht, wird es mir fuer immer ein Raetsel bleiben, wie dabei eine solche Unmenge von Tieren getoetet werden kann.




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