Meerestiere


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Da wir nur noch 100km vor uns haben brechen wir erst recht spaet am naechsten Tag nach Puerto Pirámide auf der Peninsula Valdéz auf. Die Fahrt dahin bedeutet wiedermal, sich 100km durch das Nichts zu bewegen. Immer mehr bekommen wir den patagonischen Wind zu spueren. Zeitweise fahren wir mit Schraeglage wie in einer Kurve auf schnurgerader Strecke.
Ueber den Isthmus von Ameghino geht es auf die Peninsula Valdéz. Diese Halbinsel bildet mit dem Festland bei Puerto Madryn den Golfo Nuevo - eine natuerliche Bucht, in der sich die argentinische Glattwalpopulation fortpflanzt und ihre Jungen aufzieht. Ausserdem gibt es hier noch viele Seeloewen, -elefanten und Robben sowie auch Pinguine.
Gleich hinter der ersten Sandduene schlagen wir unser Zelt windgeschuetzt auf. Ausser dem Camping gibt es in der kleinen Orstschaft noch ca. 20 Kneipen und einige Wal - Watcher Agenturen. Wir fahren noch zum Aussichtspunkt eine Bucht weiter und wie bestellt tummelt sich eine Walmama mit Nachwuchs nur wenige Meter vom Ufer. Direkt unter uns am Steilufer liegen ein paar Robben faul in der Sonne. Alle 5 Minuten dreht man sich mal um oder kratzt sich am Bauch.
Am naechsten Tag weht es mal wieder so stark, dass schon das Zeltverlassen das Innenzelt in einen Sandkasten verwandelt. Ganz zu schweigen vom Fruehstuecken. Wegen des Wetters faehrt auch kein Boot raus
Tags drauf haben wir Glueck und buchen uns in einem der zahlreichen Schlauchboote ein. Mit 15 anderen "Watchern" geht es raus aufs Meer. Ein schweizer Paerchen ist so begeistert, dass sie schon zum zweiten mal dabei sind. Der Bootsfuehrer (mit Benzin im Blut) waere sicher ein guter Walfaenger geworden, denn schon nachdem wir einige Minuten rausgefahren sind und die Leute im vorderen Teil des Bootes eine Dusche abbekommen haben, sehen wir die erste typisch V-foermige Wasserfontaene, die durch das Ausatmen der Wale verursacht wird. Das ganze Boot macht ooohhh und aaahhh und auch wir sind echt beeindruckt.
Jetzt treiben wir mit abgeschalteten Motor bis auf 20 Meter an den Wal heran. Wieder taucht er auf und man kann deutlich den Muschelbesatz auf der Haut sehen. Eine Moewe versucht etwas von der sehr fetthaltigen Haut zu picken. Wir fahren wieder etwas weiter und sehen die Schwimmschule einer Walmama mit ihrem weissen Jungtier. Von den ca. 80 Tieren in der Bucht ist es eine eher graue Walmama, die das einzige weisse Junge der Saison zur Welt gebracht hat.
Immer abwechselnd tauchen die Meeressaueger auf um Luft zu holen. Dann dreht das Muttertier um und streckt dabei die Schwanzflosse weit und lange aus dem Wasser. Das Ganze gleich mehrere Male bis wirklich jeder sein Traumfoto gemacht hat. Das Spektakel erreicht seinen Hoehepunkt, als etwas weiter weg noch ein Wal aus dem Wasser springt, was eigentlich zu dieser Jahreszeit untypisch ist. Der Bootsfuehrer ist auch sichtlich beeindruckt, macht auch selber ein paar Fotos und meint heute haetten wir wirklich suerte suerte suerte gehabt.
Wir erfahren noch, dass die Walmamas 6 Monate lang nichts zu fressen bekommen und dabei jeden Tag ihre Jungen mit ca. 200 Liter Milch (50% Fett) versorgen. Den Vorrat muessen sich die Tiere in ihrem Sommerquartier vor der Antarktis wieder mit Krill anfressen. Die Maenchen kommen nur zu Fortpflanzung in die Bucht und machen sich dann gleich wieder davon, was uns der Bootsfuehrer mit einem wohlwollenden Grinsen erzaehlt.
Um die nicht weniger spektakulaeren Seeloewen und Seebaeren zu sehen fahren wir an das Nordende der Halbinsel. In der Mitte der Peninsula gibt es eine Vertiefung mit einem Salzsee, der im grellen Sonnenlicht wie ein Gletscher aussieht. Am Suedende kann man mit dem Gardafauna (Parkwaechter) bis auf 10 Meter an die Seeloewen heran und er erzaehlt einiges Interessantes ueber die Tiere. Hin und wieder kommt es zu kleineren Testkaempfen, bei denen sie ihr nicht zu verachtendes Gebiss zeigen. Auch das Bruellen verschafft schon den notwendigen Respekt.
Zurueck am Camping hat sich mittlerweile ein schweizer Paerchen auf 2 BMW´s eingefunden. Sie sind schon 9 Monate unterwegs und sind von Zuerich aus ueber Russland und Japan nach Chile gekommen. So haengen wir noch einen Abend am Grill dran...


Letzte bekannte Position vom 04.12.2002 : 42,5734°S 64, 0,2796°W

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