Hassliebe Ruta 3


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Am naechsten Tag wollen wir einen Abstecher zu einem versteinerten Wald machen. Nach 100 km erreichen wir Fitz Roy, ein kleines Kaff mit einer noch kleineren Tankstelle, die jedoch seit Monaten nicht mehr beliefert wurde. Etwas ratlos steuern wir das naechste Doerfchen an, doch dort raten sie uns, nach Caleta zurueckzufahren. 100 km Tristesse auf die wir keinerlei Lust haben. Waehrend wir dumm rumstehenund und ueberlegen wie es weitergehen koennte, spricht uns ein kleiner Junge an, der uns schliesslich zum Haus seiner Eltern fuehrt. Von denen bekommen wir dann freundlicherweise 8 l Benzin, welches aus dem Kanister im Garten zuerst in eine Wasserflasche und von dort in unsere Tanks gefuellt wird. Damit schaffen wir es nun wenigstens bis zum naechsten Ort, auch wenn wir uns den Abstecher zum Wald trotzdem nicht leisten koennen. Que lastima!!!
Das Oertchen San Julian wartet noch auf seinen touristischen Durchbruch. Ueberall preisen sie Touren und Sehenswuerdigkeiten an, aber wir bleiben die einzigen auf dem Campinglatz. Auch die Weiterfahrt am naechsten Tag nach Rio Gallegos verlaeuft unspektakulaer. Einzig ein paar Flamingos und Guanakos sind ein Lichtblick auf der trostlosen Etappe. Bruce Chatwin hat schon vor 30 Jahren diese Roue treffend mit einem Satz beschrieben: "Dann kam ich durch drei langweilige Staedte: Commodore Rivadavia, San Julian und Rio Gallegos." - Dem ist wirklich nichts mehr hinzuzufuegen! Trotzdem bleiben wir 2 Tage in Rio Gallegos, kaufen ein paar Geschenke und decken uns fuer die Weiterreise ein, da ab jetzt die Preise steigen sollen.
Fruehmorgens gehts dann weiter Richtung Faehre, die uns nach Tierra del Fuego bringen soll. Zuerst muesen wir jedoch 50 km schlechte und staubige Piste abfahren, bis wir wiedermal eine Grenze erreichen. Um vom argentinischen Festland zum argentinischen Teil Feuerlands zu gelangen muss man unweigerlich durch ein Stueck Chile. Obwohl wir nur "Transittouris" sind, wird doch alles genauestens kontrolliert. Aus Angst vor der gemeinen Fruchtfliege ist es absolut verboten, offene Lebensmittel zu transportieren, aber nach Erledigen des ueblichen Papierkrams laesst man uns weiter. Gejagt von einem tiefschwarzen , von Blitzen durchzogenen Unwetter erreichen wir auf der "halbasphaltierten Strase" (= 1 Fahrbahn Schotter, die andere Asphalt!!) schliesslich die Magellanstrase. Das passende Wetter um mit der Faehre nach Feuerland ueberzusetzen...
Schon nach einer halben Stunde sind wir auf der anderen Seite und erreichen bald darauf das Oertchen Cerros Sombreros, wo wir nach einigem Suchen eine Art Campingplatz und etwas Schutz vor dem heftigen Wind finden. Auch am naechsten Tag weht es stark und auf der nun folgenden Schotterpiste wird man unweigerlich in den Graben gedrueckt. Zumindest wenn man wie ich (Heike) vor Angst nur noch maximal 20 km/h faehrt. Geschwindigkeit wuerde auch hier wohl stabilisieren (haha!!!), doch dazu fehlt mir der Mut. Stattdessen strebe ich einen kleinen Privatkampf an, setze mich an den Strassenrand und warte...jedoch vergebens. So geht das noch den restlichen Tag, 4 km fahren, 1 Stunde warten, wieder 4 km fahren usw.! Nach ca. 40 km und 6 Stunden geben wir letztendlich auf und campieren neben der Strasse. Morgens stehen wir extra frueh auf, da wir vorankommen muessen, bevor der Wind am Nachmittag wieder zunimmt und so werden wir Zeugen, wie 3 Marlboromaenner mit Hunden vor unserem Zelt ihre Schafe zusammentreiben. Hundegebell, aufgewirbelter Staub im Sonnenaufgang, laessige Gauchos auf Schaffellen sitzend --> Patagonien wie im Bildband!!
Jetzt ohne Wind erreichen wir schon nach 3 Stunden die argentinische Grenze. Die Beamten sind bereits in Feiertagstimmung, zum Plaudern aufgelegt und derjenige der uns abfertigt ist dazu noch ein komplettes Mate-Addict. Vor unseren Augen macht er kurz mal 2 Tassen nieder, zappelt, tanzt, singt und wir sind wiedermal erstaunt, wie dieses Getraenk selbst aus gestandenen Maennern Idioten machen kann!! Endlich erreichen wir Rio Grande, die letzte Etappe vor Ushuaia. Unsere Bibel (Southamerican Handbook) raet uns beim Club Nautico zu campieren, doch als wir dort ankommen stellt sich heraus, dass es sich hierbei nicht wirklich um einen Campingplatz handelt. Vielmehr duerfen wir unsere Motorraeder erstmal in der Bootshalle parken und werden danach in ebendieser auf eine kleine Empore gefuehrt, wo man uns dann klar macht, dass wir hier oben schlafen koennten. Draussen stuermt und regnet es mal wieder und so nehmen wir das Angebot dankend an. Unter uns liegt ein totes Schwein mit abgespreizten Beinen auf dem Ruecken und wird gerade fuer ein Asado vorbereitet und mariniert und auf die Frage, ob es sich hier um eine Weihnachtsfeier handelt sagt man uns, dass so etwas jeden Freitag stattfinden wuerde. Das kann ja mal lustig werden...Wir druecken uns also extra lange in der Stadt herum, werden in einer Pizzeria auf die Antwort, dass wir aus Alemania kommen mit "Heil Hitler" verabschiedet, doch als wir spaet abends wieder zum Club zurueckfahren, hat das grosse Fressen noch nicht einmal begonnen. Inzwischen haben sich ca. 40 Leute eingefunden, das komplette Schwein liegt auf dem hier typischen Riesengrill und ist wohl als einziges nicht gluecklich und in Partystimmung. Eigentlich waere die letzte Loesung, diese Nacht zu retten, einfach mitzufeiern, aber wir sind noch so geschafft von der letzten Strecke, wollen morgen frueh weiter und so verziehen wir uns nach oben. Bis zu den Haarspitzen im Schlafsack und mit Ohrstoepseln schlafen wir tatsaechlich irgendwann ein, waehrend unten bis morgens das Asado brodelt.
Heute am 21.12 soll es also endlich soweit sein - USHUAIA, die suedlichste Stadt der Welt ist zum Greifen nahe. Am Horizont tauchen Berge auf und wir koennen es kaum fassen, als wir die ersten Baeume und spaeter auch Waelder passieren. 2000 km waren wir durch Pampa gefahren, in Puerto Madryn war unter einem kleinen, verirrten Baeumchen sogar ein Schild angebracht worden mit "Soy solito" (ich bin allein!) und jetzt durch Schatten, Windschutz und sattes Gruen zu fahren tut wirklich gut. Die Strasse nach Ushuaia ist weitestgehend asphaltiert, seltsamerweise ausser dem gefaehrlichsten Stueck ueber einen steilen Pass und so wird es uns doch etwas mulmig zumute, als wir die Dreckpiste ohne Absperrung erklimmen und bei einem Stop in der Schlucht sogar ein paar abgestuerzte Fahrzeuge entdecken.
Die Fahrradfahrer, die uns entgegenkommen werden immer durchgeknallter, auf unsere hochgestreckten Daumen kreischt einer urploetzlich los und reisst die Arme hoch, andere winken wild und manche sind gerade mal zu einem mueden Laecheln faehig, waehrend sie weiter gegen den unerbittlichen Wind anstrampeln. An manchen Tagen schaffen sie bei Gegenwind gerade mal ein paar Kilometer und bei den Distanzen ist das wohl noch eines der letzte Abenteuer und wir koennen nicht genug staunen ueber so viel Mut, Ausdauer und Wahnsinn!! Daneben ist unser Trip hier runter das reinste Freizeitvergnuegen...


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