Feuerland - die Letzte


zurück zur Reiseübersicht Südamerika

Da die Besichtigungstour der Estancia doch laenger dauert, machen wir ein paar Kilometer hinter dem Pass am Lago Escondido nochmal einen Zwischenstopp, bevor wir am naechsten Tag wiedermal in Rio Grande ankommen. An einer Ampel treffen wir dort auf Mika , der inzwischen einige Jahre unterwegs ist und dessen Homepage wir schon zuhause gelesen hatten. Er & noch ein deutsches Paerchen ( Reina & Falk ) auf Motorraedern sind auf dem Weg nach Ushuaia und so machen wir uns alle auf zum Club Nautico, um dort im Bootshaus zu uebernachten. Wohlwissend haben wir heute nicht Asado-Freitag und dementsprechend sind wir die einzigen dort. Bei viel Wein und Bier werden Reisetipps ausgetauscht und Geschichten erzaehlt bis tief in die Nacht. Der naechste Morgen weckt uns mit Sturm und Regen, wir drehen uns erst nochmal gemuetlich im Schlafsack um und nutzen spaeter den Nachmittag und die trockene Halle, um bei den Mopeds Oel zu wechseln, der 500er vorne ein neues Radlager einzubauen und der 600er einen selbstgebauten Kettenoeler zu verpassen.
Viel zu spaet kommen wir am naechsten Tag weiter und so hat die Sonne den Wind schon dermassen angeheizt, dass uns der an der Grenze beinahe wieder nach Argentinien zurueckschiebt. Wir sind auf dem Weg nach Porvenir, um von dort die Faehre nach Puerto Montt zu nehmen. Die faehrt jedoch nur ein mal taeglich zur Mittagszeit und so suchen wir uns 50 km vor dem eigentlichen Ziel nochmal ein Plaetzchen fuer die Nacht. Direkt am Strand stellen wir unser Zelt auf und bemerken erst spaeter, dass die 100 m entfernte Blechhuette bewohnt ist. Ein sonnengegerbter Mann verbringt in dem 2x2 m kleinen Verschlag die drei Monate im Sommer um etwas Fisch zu fangen, den er dann an die umliegenden Estancias verkauft oder gegen Schaffleisch eintauscht. Sichtlich erfreut ueber die unerwartete Abwechslung stattet er uns gleich einen Besuch ab. Eine Flasche Wein wird geoeffnet, er putzt fuer uns ein paar Fische, die dann auf dem Campingkocher landen und unglaublich lecker schmecken. Als Nachtisch hole ich dann noch unsere restlichen Kekse, womit wir ihm wohl die groesste Freude bereiten. Mit etwas Verstandigungsschwierigkeiten erfahren wir, dass er die letzten 20 Jahre in Argentinien Minenarbeiter war, das aber zu gefaehrlich wurde und seit der Wirtschaftskrise auch nicht mehr rentabel ist. Stattdessen ist er jetzt das ganze Jahr ueber an verschiedenen Plaetzen und auf Schiffen zum Fischen unterwegs, sieht seine Frau und Kinder alle Monate mal und fuehrt so ein recht tristes Leben. Ueber uns lacht er sich jedoch den ganzen Abend halbtot, wie wir sprechen, warum wir auf Motorraedern unterwegs sind, dass wir in einem Zelt schlafen - alles scheint extrem komisch zu sein. Als 10 m vor uns ein paar Schwarz-Weiss-Delfine vorbeiziehen und ich entzueckt aufschreie, winkt er nur laessig ab: Sowas sieht er hier taeglich und hoechstens wenn mal ein 9 m Orka-Wal auftaucht, beeilt er sich, mit seinem kleinen Boot an Land zu kommen. Bis es dunkel wird, schauen wir den Delfinen zu, Orkas gibts jedoch leider keine.
Die Strecke nach Porvenir am naechsten Morgen ist schnell gefahren. Viel zu frueh erreichen wir den Hafen und muessen so noch 2 Stunden in einem Cafe verbringen, in dem eine unglaublich unfreundliche Chilenin Gott spielt. Sie ist Herrin ueber Faehrtickets, Kloschluessel, Nescafe mit klumpigem Milchpulver, Suessigkeiten und scheint ihre Rolle in diesem gottverlassenen Nest boshaft-arrogant zu geniessen. Nicht ohne Grund nennen die Chilenen Porvenir (=Zukunft) auch gerne Pormorir (=zum Sterben)!


top
<- zurück nächster Bericht ->