Punta Arenas und zu Fuss zu den Torres del Paine


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Wir sitzen im unfreundlichen Restaurant am Ende der Welt und beobachten das Laden der Faehre. Ein Sattelschlepper bleibt mit den Stuetzen des Anhaengers haengen, da der Winkel zwischen Schiff und Laderampe zu steil ist. Eine Stunde wird gewerkelt und getueftelt, bis der LKW wieder frei ist. Das Schiff (Baujahr 1964 in Miami Florida ) wird weiter geladen und wir duerfen erst als allerletzte drauf, dafuer aber umso hektischer. Beide Motorraeder stehen irgendwie kippelig auf der schraegen Rampe. Die 500er wird vorsorglich verzurrt, die 600er steht nur auf dem Seitenstaender und kurz nachdem wir die schuetzenden Bucht von Porvenir verlassen haben und der Seegang zunimmt, passiert was passieren musste und die 600er liegt auf der Seite. Leider hat sie sich ueber den Seitenstaender abgerollt, der dabei abgeknickt ist.
Ich (Markus) rufe erstmal beim Kapitaen drei Matrosen zusammen, die versuchen meine Karre am Spiegel wieder hochzuheben. Das Ganze inklusive der Seewasserduschen, die ueber das Deck kommen nerven mich so, dass meiner Wut freien Lauf lasse. Erst kurz bevor mich der Kapitaen Kiel holen laesst beruhige ich mich wieder und sehe die Sache durch die suedamerikanische Brille. Der 1. Offizier verspricht mir, dass in der verbleibenden Stunde Fahrtzeit die Sache wieder in Ordnung gebracht wird.
Zunaechst sind die Matrosen jedoch damit beschaeftigt, bei zunehmenden Seegang die XT zu verzurren. Der Schiffsmechaniker wird gerufen und der Seitenstaender wird mal so und mal so drangehalten und die Crew raetselt ob er nach vorne oder eher nach hinten einklappt. Als alle einstimmig beschliessen, dass hier ein Schweissgeraet notwendig ist erklaere ich diplomatisch, dass ich die Sache lieber selber in Ordnung bringe. Ich packe die restlichen Teile in den Tankrucksack und und es geht erstmal ins Hostel
Einen Tag spaeter lasse ich den Staender schweissen und obwohl ich dreimal erklaere, dass es wichtig ist, wie es geschweisst werden soll wird es doch falsch gemacht. Nach zweimal schweissen und einmal biegen klappt es dann doch noch und ich kann die Maschine wieder abstellen.
In Punta Arenas bleiben wir drei Tage. Hier merken wir nach Ushuaia und Rio Grande, dass wir mal wieder in Chile sind. Die Leute sind super hilfsbereit aber doch immer etwas reserviert. Man muss schon mehr auf die Leute zugehen als in Argentinien. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass Punta Arenas ein wichtiger Militaerstutzpunkt Chiles ist. Immerhin beanspruchen Chile und Argentinien so ziemlich den gleichen Teil der Antarktis fuer sich. Da muss man dann doch schon mal etwas Praesenz zeigen. Andererseits soll es von hier aus die billigsten Trips zum eisigen Kontinent geben. Da es die einzige groessere Stadt in der Umgebung ist werden von hier auch viele Trips zum Torres del Paine National Park und zu den verschiedenen Gletschern, die das oestliche Ende des patagonischen Inlandeises bilden, angeboten.
Mit Daniel und Nicole, die wir auf der Faehre wieder getroffen haben, machen wir die Stadt unsicher. Da wir das alte Theater, das nun das Cine Cervantes ist, besichtigen wollen quaelen wir uns durch den neuesten Harry Potter. Holzstuehle und ein Sound, der noch Lichtjahre von THX entfernt ist, geben dem Kinobesuch eine besondere Wuerze.


Sehenswert ist auch der Friedhof der Stadt. Hier ueberbieten sich die Familien gegenseitig mit Mausoleen. Natuerlich ist das der Familien Braun /Menendez das groesste.
Das Normalvolk hat jeweils nur ein kleines Fach in einer wie einem Buecherregal aufgebauten Mauer. Diese Schaufenster sind mit den skurrilsten Dingen ausstaffiert. unter anderem Spielsachen, Zigaretten und viele Fotos.

An einem sonnigen und wenig windigem Tag verlassen wir Punta Arenas in Richtung Puerto Natales. Natales ist fuer uns die letzte Ansiedlung vor dem langen Weg in den Norden. Wir stocken noch mal unseren Proviant an Tuetensuppen und Muesli auf und fahren weiter in den Torres del Paine National Park.

Schon von 50km Entfernung koennen wir die steilen Granittuerme die Torres sehen. Da wir gut voran gekommen sind, beginnen wir die Wanderung noch am gleichen Tag. Die Motorraeder und den Rest des Gepaecks stellen wir beim Camping ein.
In 4 Tagen laufen wir uns die Hacken wund und stauenen immer wieder ueber die atemberaubenden Ausblicke auf die Berge. Am meisten faszinieren uns die Cuernos (=Hoerner): Unten der typische Torres Granit der weiter oben ins Schwarze uebergeht. Das Ganze geformt wie der Kopf einer ueberdimensionalen Sechskantschraube. Gleich daneben ragt der Cerro Paine Grande in den Himmel. Vom 3050m hohen Gipfel gehen Morgens lautstark gleich mehrere grosse Lawinen ab. Wir sind schwer beeindruckt und laufen weiter bis wir am Administration Centre den Endpunkt der Wnderung erreichen. Von hier aus geht es mit dem Bus zurueck zu den Bikes.
Der Busfahrer mit suedamerikanischen Temperament holt alles aus seiner Kiste raus und trotzdem brauchen wir fast einen halben Tag fuer die Rueckfahrt. Nach dieser Busfahrt sind wir sehr froh wieder unsere Motorraeder zu haben, bei denen wir unser Schicksal wenigstens etwas selbst steuern koennen.
Am naechsten Morgen lohnt sich das fruehe Aufstehen, denn die Tuerme sind wolkenfrei und strahlen in der aufgehenden Sonne. Beim verlassen des Parks in Richtung der "sagenumwobenen " Ruta cuarenta (40) in Argentinien treffen wir wieder mal auf zwei Biker. Diese sind die ersten die auch mal mit altem Geraffel (2 alte Teneres) unterwegs sind. Bei der Abreise aus Chile legen wir mit unter 5 Minuten einen echten Rekord hin. Sofort auf der argentinischen Seite verschlechtert sich die Piste und wir sind gespannt auf das was kommt...


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