MI 40, Gletscher & Granit


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Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, nichts mehr ueber die Pisten hier zu schreiben. Wie steinig, holprig, sandig oder windig die Strassen sind, is t fuer uns zwar jeden Tag wieder entscheidend, muss jedoch euch zuhause zi emlich langweilen. Die Ruta 40 bildet jedoch eine Ausnahme. Schon daheim u nd noch mehr hier unten kursierten wildeste Geruechte ueber diese Etappe - unmoeglich zu fahren, knietiefer Schotter, der Wind schmeisst dich um, ma cht jedes Motorrad kaputt usw. usf!!! Dazu kam noch, dass wir so lange in Ushuaia festhingen, viele andere vor uns dort langfuhren und wir immer wie der von Unfaellen, Knochenbruechen und geplatzten Urlauben hoeren mussten.

Als wir vom Torres aufbrechen, rechnen wir jedenfalls mit dem schlimmsten und die erste Etappe ist dann auch schon ziemlich muehsam. Grosse Steine, lose und halbvergraben, zusammen mit Schlagloechern und Wellblech, ruettel n uns und die Maschinen heftig durch. Auch hier gilt, dass man vielleicht bei 70 km/h eher ueber die Unebeneheiten hinwegfliegt, falls das Moped die s uebersteht, aber wir waehlen die sichere, doch holprigere Variante bei 4 0 km/h, immerhin sind die beiden XT's nicht mehr die Juengsten und wir hab en noch einige Monate vor uns...

Wenigstens die zwei Abstecher zum Moreno-Gletscher und Fitz-Roy sind Highl ights auf dem steinigen Weg nach Norden. Um zu ersterem zu gelangen macht man unweigerlich einen Stopp in El Calafate (benannt nach dem seeehr abfae rbenden, beruehmten, patagonischen Blaubeerstrauch...). Dieses 3000-Seelen -Kaff besticht durch aeusserst langsame und teure Internetzugaeng, existie rt allein durch Tourismus und wir stocken hier nur nochmal unsere Vorraete auf, bevor wir in das ewige Eis aufbrechen!

Mit Ausnahme der beiden Pole ist das patagonishce Inlandseis mit 22000qkm das groesste Eisfeld der Erde. Es muendet in 9 Gletscher, von denen jedoch nur der Moreno auf dem Landweg zu erreichen ist. Schon von weitem sieht m an die 60 m hohe und 5 km breite Eiswand aus dem Lago Argentino empor ragen und je naeher wir kommen, umso groesser werden die Eisbrocken die im See vorbeiziehen.
Zwei Tage lang blicken wir auf diese blaue Gletscherwand, vo n der unter lautem Getoese immer wieder haushohe Eisstuecke abbrechen und in den See plumpsen. Ein gewaltiges Naturschauspiel, von dem wir nicht gen ug kriegen koennen, aber Markus Geburtstag naht und als oller Kletterer mo echte er den uuuunbedingt am Fitz-Roy-Massiv feiern...
Wirklich einzig und allein aus diesem Grund quaele ich mich deshalb am dar auffolgenden Tag ueber den 90 km-"Abstecher" nach El Chalten (das Dorf am Fusse der Granitfelsen). Die Ruta 23 ist unglaublicherweise tatsaechlich n och schlechter als die 40. Fuenf Stunden kaempfen wir uns wieder mal ueber Wellblech, durch Schotter und tiefe Loecher und dazu noch mit dem Gedanken , dass wir diese Scheissstrecke auch wieder zurueckmuessen - HORROR.

Die Woche auf dem freien Zeltplatz laesst sich dann recht schnell zusammen fassen: Wir sitzen im Zelt, waehrend draussen der Wind orkanartig ueber un s hinwegfegt!! Wenigstens koennen wir nun mit Gewissheit sagen, dass unser Tatonka-Tunnelzelt einiges aushaelt. Ordinaere Igluzelte bereiten da mehr Probleme, was Markus bei einer 3-Tage-Tour, mit geliehenem Zelt bei naech tlichem Sturm, schnell feststellt. Auch der Geburtstag wird im windsichere n Alaska 2 gefeiert, aber mit "Kalter Hund" Kuchen, Kerzen und viel Rotwei n machen wir das beste draus. Immer wenn es das Wetter zulaesst, versuchen wir, wenigstens einen Blick auf die Granitspitzen zu erhaschen und immer wenn dies gelingt, bestaunen wir die spitzen, schneebedeckten Nadeln. Wir treffen hier noch einen weiteren pfaelzer Kletterer, der 3 Wochen am Basis lager des Fitz-Roy auf besseres Wetter gewartet hatte und ohne dessen Best eigung jedoch nun heimfahren muss!
Windfreie Tage sind wirklich rar hier u nd so nutzen wir den ersten, um El Chalten wieder zu verlassen, bevor wir eine weitere Woche festsitzen!

So geht es also zurueck auf meine verhasste Ruta 23, danach noch etwas Rut a 40, die nun beinahe einfach erscheint. Nach 120 km stoppen wir in Tres L agos an der Tankstelle. Marco & Sibylle hatten im mail geschrieben, dass n un der schlimmste Part bevorsteht, es ist schon spaeter Nachmittag, wir si nd muede, durchgeruettelt und erledigt und duerfen neben der Tankstelle ze lten.20

Frueh am naechsten Tag geht es weiter, immer in der Hoffnung, dem Wind zu entkommen, aber der laesst diesmal nicht auf sich warten, was die naechste n Kilometer nur noch erschwert. Ok, huefthohen Schotter sehen wir keinen, auch von "Schotterverwehungen" bleiben wir verschont, aber die Steine die hier rumliegen, koennen einem Zweiradfahrer, zusammen mit dem Wind, doch g roessere Probleme bereiten. Wenigstens wissen wir von den Schweizern, dass die Cuarenta nach 60 km wieder ihren "normal" schlechten Zustand erlangt, ein Schrecken mit Ende sozusagen, was mich nicht voellig verzweifeln laes st und ueber dieses Stueck hinweghilft. Zur Belohnung und aus Hunger steue rn wir fuer ein Mittagessen eine der wenigen touristischen Estancias am We g an, werden jedoch enttaeuscht - der Besitzer wartet selbst auf Lebensmit tel und hat nicht mal mehr Brot im Haus. Als er unsere herunterklappenden Kiefer sieht, laedt er uns gnaedigerweise auf Kaffe & Kuchen ein. Wir verg nuegen uns noch etwas mit den Hauslamas und ziehen weiter. Wie so oft heiz t sich der Wind den Tag ueber auf und irgendwann am Nachmittag, mitten im Nichts, muessen wir aufgeben, da wir immer wieder von der Piste gedrueckt werden. Zwei Stunden warten wir im Strassengraben auf Besserung, aber es b leibt uns nur, eine kleine Mulde fuer unser Zelt zu suchen und an Ort und Stelle zu uebernachten.
Am naechsten Morgen geben wir wirklich ALLES. Um 6 Uhr stehen wir auf und ohne Fruehstueck sind wir schon kurz darauf unterwegs. Nach wenigen Kilome tern jedoch wieder das Gleiche: Mit heftigem Gegenwind schleppen wir uns z war, trotz Genickstarre und verkrampften Armen, noch etwas vorwaerts. Als wir in einer Kurve von einer Boee dann zwangseingeparkt werden ist nichts mehr zu machen. Fuenf Minuten stehen wir einfach nur da, unfaehig abzustei gen und nur damit beschaeftigt, die Motorraeder festzuhalten! Irgendwann s chaffen wir wenigstens, den einen Kilometer bis Tamel Aike (ein leerstehen des Haus und eine Vermessungsstation) zurueckzulegen und werden dort den r estlichen Tag ueber von den zwei Vermessungsbeamten wieder aufgepaeppelt.
Schon im Morgengrauen fahren wir tags darauf weiter, es ist eiskalt aber w indstill! und eeeendlich, nach drei Tagen fuer laeppische 340 km erreichen wir Bajo Caracoles und verlassen die 40. Fuers erste jedenfalls...


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Letzte bekannte Position vom 01.02.2003 : Sued:49°19'13,8'' West:72°53'37,7'' Hoehe:414m

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