Ein Leben nach der 40


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Wir stehen in Bajo Caracoles an der Tankstelle. Der Sohn des Besitzers scheint ziemlich genau zu wissen, dass sie die einzige Tankstelle im Umkreis von 350km sind. Immerhin ist er fuer sein Alter sehr arrogant als er unseren Sprit wieder auffuellt. Neben uns steht eine argentinische Familie. Sie empfhielt uns die Estancia Suyai am Lago Puyerredon. Es sind noch 100km zu fahren aber es soll sich lohnen.
Nachdem wir uns bei Kaffee und Keksen wieder aufgewaermt haben geht es zurueck auf die Piste. Diese aendert sich bald von der monotonen "40" Umgebung in steiles Gelaende. Im Hintergrund kann man schon die Andengipfel ausmachen. Wir sehen immer wider Guerteltiere, die ueber die Piste huschen. Die Landschaft wird immer schroffer und wir fahren durch tief eingeschnitten Canyons. Nach 50km koennen wir schon den Lago Posado sehen. Tuerkis leuchtet er vor dem rotgrauen Hintergrund der Felsen.
Wir erreichen das gesichtslose Posadas. Nachdem wir endlich die Strasse bzw. den Feldweg heraus gefunden haben geht es durch bizarr geformte Felsformationen, die in teilweise unnatuerlich gruen schimmern. Die Strasse ist grob aus dem Fels gehauen. Vor uns sehen wir schon den Isthmus, der den Lago Posado vom Lago Puyerredon trennt. Das besondere daran ist, das der eine See tuerkis leuchtet, waehrend der andere im tiefen blau erscheint getrennt nur von dieser kleinen Landbruecke.
Nach dem Isthmus sind es nochmals 35km bis zur Estancia. Nach einigen Tage Ruta cuarenta sind unsere Vorraete bis auf 3 Tuetensuppen aufgebraucht und wir hoffen, dass es auf der Estancia irgendwas gibt. Wenige Kilometer vor der Estancia hoert der patagonische Wind endlich im Schutz der Berge auf zu wehen. Die Estancia scheint uns mit ihren Baeumen und der netten Lage am See wie eine Oase zu sein. Wir bleiben drei Tage und koennen Eier und frisches selbstgebackenes Brot von der Estancia kaufen.
Etwa 150km weiter noerdlich in Los Antiguos warten John und Anette, die wir in Ushuaia schon mal getroffen hatten, seit drei Wochen auf eine Ersatzkardanwelle fuer eine ihrer BMW´s. Wir beschliessen sie dort zu besuchen, denn in dem 2000 Einwohner Ort ist das Warten so allein doch ziemlich langweilig.
Wir erfahren, dass es von der Estancia eine Abkuerzung zur Passstrasse des Paso Rodolfo Roballos nach Chile gibt. Auf der Karte ist diese Abkuerzung nicht verzeichnet aber die Besitzer der Estancia versichern uns, dass es die Strasse gibt. Also biegen wir nach dem Isthmus links ab und sind gespannt was kommt...
Anfangs klettern die Maschinen wie ueber Treppenabsaetze die Steinstufen empor. Die Strasse ist manschmal schwer vom restlichen Gelaende zu unterscheiden. An zwei Abzweigen lassen wir uns mehr vom Gefuehl leiten, als das wir wirklich wuessten wo es lang geht. Kurz bevor wir die Passstrasse erreichen, stehen wir vor einem mit Vorhaengeschloss gesichertem Viehgatter. Links und rechts Zaun soweit das Auge reicht. Wir stellen erstmal die die Maschinen ab und ueberlegen. Zurueckfahren wuerde mindestens 100km Umweg bedeuten. Der Ort Posadas zieht einen aber nicht gerade zurueck. Das Messingvorhaengeschloss blitzt in der Sonne. In der Verzweiflung gehen wir noch mal um das Gatter herum und steigen drueber. Auf der Rueckseite ist die Kette gerade mit ihren offenen Enden ueber einen Nagel gehaengt und so laesst sich das Tor ganz einfach oeffnen. Bevor wir weiterfahren schliessen wir natuerlich wieder brav das Gatter.
Endlich treffen wir auf die Zufahrt zum Paso Roballos. Dieser ist der, zumindest fuer motorisierte Fahrzeuge, suedlichste Zugang zur Carretera Astral in Chile. Roballos selber ist wiedermal kein richtiger Ort, mehr eine Strassenmeisterei. Wir passieren ein Schild, auf dem ein halber Roman steht. Auch irgendwas mit Los Antiguos - wo wir ja hinfahren wollen. Da wir noch nicht auf der Passhoehe, wo die Strasse nach L.A. abzweigt, sind beachten wir das Schild nicht weiter. Weiter nach 15km haengt an einer verfallenen Hauswand ein handgemalter Wegweiser nach Los Antigous. Das muss er sein, der Abzweig nach Norden entlang der Anden. Dumm nur, dass erstmal eine Flussquerung ansteht. Gerade wird eine neue Bruecke gebaut und die alte ist wohl schon abgebaut. Wir laden das Gepaeck teilweise ab und waten mal durch. Bis auf die starke Stroemung in der Mitte eigentlich kein Problem. Wir fahren beide Maschinen mit hochgekrempelten Hosen und Sandalen durch das knietiefe Wasser. Bis wir auf der anderen Seite wieder alles aufgeladen haben und wieder startklar sind vergeht fast eine Stunde.
Nach 500m kommt verdaechtig von rechts eine Piste rein. Ob wir an dem ausfuehrlichen Schild diese Piste haetten nehmen und auf die Flussdurchfahrt verzichten koennen - eigentlich wollen wir das jetzt auch nicht mehr wissen.
Da es den Tag zuvor komplett durchgeregnet hat ist die Piste einigermassen matschig und wir hoffen, dass der Zustand nicht noch schlechter wir. Das letzte mal hatten wir in Bajao Caracoles getankt und wir muessen uns irgendwann entscheiden - durch oder zurueck sonst reicht der Sprit nicht mehr. Je weiter wir vorankommen, desto besser wird die Piste. Abgesehen von einer zweiten Flussdurchfahrt (die nun 100%ig noetig ist) kommen wir zuegig voran und sind am Abend mit leeren Tanks in Los Antigous.
Wir halten zum orientieren an der oertlichen Tankstelle und ruckzuck hat sich die Dorfjugend um uns versammelt. Sie sind bestens informiert und erklaeren uns, dass das englische Paerchen mit den BMW´s noch da ist aber gerade fuer zwei Tage unterwegs. Auf dem Campismo sehen wir dann auch Jahns Maschine als Halter fuer einen Fruechtestand umfunktioniert. Wir beschliessen die zwei Tage zu warten und als John und Anette von der Ostkueste mit dem Ersatzteil zurueckkommen wird der Grill angeschmissen und wie man sagt: gut abgegrillt. Der dabei konsumierte Rum bleibt bei Markus nicht am eigentlichen Bestimmungsort und so beschliesst er, zumindest fuer die nachste Zeit, nie mehr Rum zu trinken (siehe auch Gaestebuch). John und Anette nehmen die Faehre ueber den Lago Buenos Aires und wir beschliessen die Strasse am Suedufer entlang zu fahren. Die Route ist landschaftlich ein absoluter Leckerbissen. In manchmal einigen hundert Metern ueber dem See schlaengelt sich die Strasse am Fels entlang. Immer wieder hat man fantastische Ausblicke auf den See. Immerhin gehoert der See zu den groessten Suedamerikas. Fahrtechnisch gibt es mal wieder einige Hindernisse zu ueberwinden. Die Strecke ist manchmal extrem steil und eine Baustelle macht die Sache auch nicht besser. Der lose Schotter und die Steigung zwingen Heike zum halten am Hang, wo sie weder vor noch zurueck kann, waehrend ich auf der anderen Seite der Baustelle warten muss. Auch ich muss erst ganz hoch fahren, bevor ich sie aus ihrer Lage befreien kann.
Wir erreichen Puerto Guadal am Suedende des Lago General Carrera, wie er auf der chilenischen Seite heisst. Vermutlich durch den Einbruch des argentinischen Peso kommen hier wohl keine argentinischen Touristen mehr hin. Die Flaute zwingt vermutlich viele Chilenen zum Verkauf. Ueberall werden Haeuser oder Grundstuecke zum Verkauf angeboten. Wir tanken und machen uns auf zu einer der bekanntesten Strassen Chiles - der Carretera Austral. Bis dahin hatten wir schon einige witzige Abwandlungen dieses Namens gehoert. Carreta, Carrera und Catera sind nur eine kleine Auswahl...



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Letzte bekannte Position vom 15.02.2003 : Sued: 46°32'39,2'' West: 071°=6'30,9'' Hoehe: 412m

 

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