Von Mendoza nach Buenos Aires, Iguazù und zurueck


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Nachdem Motorrad und ueberfluessiges Gepaeck auf dem Campingplatz verstaut sind, machen wir uns auf zum Busbahnhof. Hier sind "Collectivos" das Verkehrsmittel, Fliegen kann sich keiner mehr leisten und die Busse sind bequem, schnell und billig. Unserer hat Schlafsitze und wir werden waehrend der Fahrt von 2 Stewards mit Bingospielen, Essen, DVD┤s und Musik bei Laune gehalten. Trotzdem kommen wir ziemlich geraedert am naechsten Morgen in Buenos Aires an: 11 Millionen Einwohner! Wie soll man sich eine solche Stadt nur vorstellen? Uns erwarten endlose Haeuserschluchten, aber gluecklicherweise ist Feiertag und so bleiben wir vorerst von Verkehrslaerm und Menschenmassen verschont. Dank der "Bibel" finden wir ein altmodisches, bequemes Hotel im Zentrum. Das Gran Hotel Espa˝a hat sich den Charme der Kolonialzeit erhalten, vier aeltere Herren leiten das Unternehmen, der schmiedeeiserne Aufzug muss von Hand gesteuert werden, was jede Fahrt zum Erlebniss macht, unser Zimmer hat Stuck, Holzboden und erinnert an bessere Tage - das optimale Basislager fuer die Erkundung dieser Metropole.

Schon beim ersten Rundgang wird selbst uns Touristen klar, dass hier ein Umbruch stattfindet. Ueberall sehen wir Gedenksteine fuer ermordete Demonstranten von den grossen Unruhen im November 2001, aber noch mehr ist hier auch die aktuelle Armut, ausgeloest durch die Wirtschaftskrise, zu spueren. Menschen allen Alters schlafen auf Pappe und Zeitungen auf der Strasse, darunter auch viele Kinder und alte Frauen. Wenn diese nicht betteln, versuche sie sich mit Gelegenheitsjobs ueber Wasser zu halten. Auf den Strassen wird lautstark alles angeboten, ueber Drogerieartkel, Bleistifte, Batterien, und Suessigkeiten bis hin zu Schuhe putzen und Parkplatz einweisen. Nachts wird der komplette Muell der Stadt von Jugendlichen durchwuehlt und sortiert. Anscheinend gibt es fuer Papier und andere Rohstoffe noch ein paar Centavos - der gruene Punkt auf argentinisch. Allerorten findet man Parolen und Graffitis gegen die aktuelle Regierung und auch einige gegen den Irakkrieg. Bush ist verhasst und wird auch fuer die augenblickliche Misere des eigenen Landes verantwortlich gemacht. In 2 Wochen sind hier vorgezogene Wahlen und dementsprechend brodelt die Stadt. Im Schatten des Krieges wurden und werden noch schnell ein paar besetzte Haeuser und Fabriken geraeumt und jeden Tag wird deswegen gegen weitere Repressionen demonstriert.
Aber wir sind natuerlich auch hier, um die Sehenswuerdigkeiten dieser Riesenstadt kennenzulernen. Auffaelig sind die komplett unterschiedlichen Stadtteile des Zentrums. San Telmo und La Boca gehoeren eher zu den aermeren Gegenden, wobei erstere bessere Zeiten erlebt hat, wie man unschwer an den Prachtbauten erkennen kann. Inzwischen ist jedoch alles etwas heruntergekommen, was aber durchaus seinen Reiz hat. Hier wohnen viele Studenten, Kuenstler, aber auch Arbeiter und Handwerker und die engen Strassen sind voller Bars, CafŔs und kleinen Laeden. La Boca wiederum, das Hafenviertel Buenos Aires, war schon immer arm und als wir mit dem Bus dort ankommen, koennen wir es anfangs kaum fassen: Der Jungbusch in Mannheim (fuer Alle, denen das ein Begriff ist!!) ist regelrecht nobel dagegen! Ein modriger Gestank verpestet die Luft und die Blechbuden sind kurz vor dem Zusammenfallen. In den 70er-Jahren kam ein dort lebender Kuenstler auf die Idee, an die Bewohner Schiffsfarbe zu verteilen, seitdem erstrahlt eine der Strassen in den buntesten Farben und wird von Touristenmassen heimgesucht. Das aendert jedoch nichts an dem miserablen Zustand des restlichen Viertels und die reichen Touris werden waehrend einer Busrundfahrt schnell herangefahren, knipsen ihre Fotos durch die Scheibe und fahren weiter ohne auszusteigen. Unglaublich, aber vielleicht ja ein Projekt fuer Mannheims Hafenviertel, wenn ich wieder zurueck bin ;-)
Weiter geht unsere Stadterkundung ins schicke Recoleta. Was fuer ein Kontrast zum Vorigen - hier lebt wer Geld hat, eine Markenboutique saeumt die naechste und die Superreichen lassen es sich immer noch gut gehen. Hier besuchen wir auch den Edelfriedhof der Stadt, auf dem Evita Peron begraben liegt, die nachwievor von vielen verehrt wird und deren Grabstaette ein Pilgerziel darstellt. Die Mausoleen aus Marmor sind teilweise gigantisch und 80% der Bevoelkerung waere sicherlich gluecklich, sowas ihr Eigenheim nennen zu duerfen!
Trotz des erschoepfenden Herumgelaufe schaffen wir es abends sogar noch in die obligatorishce Tangoshow - eine Livecombo begleitet 5 Tanzpaare bei wildesten Verrenkungen und wir fragen uns an diesem Abend des oefteren, ob die maennlichen Taenzer wohl einen Genitalschutz tragen?! Doch damit nicht genug, am folgenden Abend besuchen wir das Teatro Colˇn, eines der groessten Konzerthaeuser der Welt und auf einem Privatbalkoenchen lauschen wir dem Sinfonieorchester der Stadt und einer polnischen Sologeigerin, die von einer Brasilianerin dirigiert werden und franzoesische Romantiker zum Besten geben. Alles klar?
Nach 5 Tagen sind wir voellig erledigt und haben nur einen Bruchteil gesehen, aber der naechste Nachtbus steht an, der uns ins 1500 km entfernte Puerto Iguaz˙ bringt. Dieses Staedtchen liegt im Dreilaendereck Argentinien-Brasilien-Paraguay, weshalb dort natuerlich gleich wieder El Kaida-Anhaenger vemutet wurden und werden! Zugegebenermassen wirkt hier alles etwas wild & gefaehrlich, alles Moegliche wird ueber alle moeglichen Grenzen geschafft und auch unser Reisebus wird mehrmals von Drogenhunden "beschnuppert".

Hier ist aber auch Standort eines der groessten Naturwunder dieses Kontinents, den Iguaz˙-Wasserfaellen. Der Name stammt noch von den dort ansaessigen Guarani-Indianern und bedeutet "Grosses Wasser" und als wir am naechsten Morgen den Nationalpark betreten, koennen wir uns gleich davon ueberzeugen: Auf fast 3 Kilometer Breite stuerzen Wassermassen bis zu 70 m in die Tiefe. Den ganzen Tag sind wir damit beschaeftigt, die verschiedenen Aussichtspunkte abzulaufen - unterhalb, oberhalb und neben der unzaehligen Wasserfaelle - und ganz zum Schluss bringt uns ein kleiner Zug noch zum absoluten Highlight des Parks, dem Gargante del Diabolo (Teufelsrachen). Von drei Seiten stuerzen hier die Wassermassen in einen geschlossenen Felskessel und durch die Gischt dampft und brodelt es unter einem. "Profifotografen" (steht zumindest auf ihren T-Shirts) stellen sich profimaessig auf eine klapprige Leiter und machen mit deinem eigenen Apparat dann "professionelle" Aufnahmen von dir und dem Dampf schraeg unterhalb, die Japaner haben wie immer pro Person 5 Kameras dabei und hektisch wird auf jede einmal gedrueckt und auch wir machen die obligatorischen Dias, bevor uns der Zug wieder zum Ausgang zurueck bringt.
Die Rueckfahrt nach Mendoza wird dann nochmal zum Gewaltakt - eine Nacht geht es erst zurueck nach Buenos Aires, da es keinerlei Direktverbindungen gibt und so verbringen wir abermals ein paar uebermuedete Stunden in unserem Lieblingscafe und am selben Abend fahren wir dann die restlichen 1000 km bei DVD und Bingo nach Mendoza. Nach 10 Tagen und 5000 km im Bus sind wir nur froh, wieder bei unseren eigenen Maschinen zu sein!

Letzte bekannte Position vom 01.02.2003 : Sued:49░19'13,8'' West:72░53'37,7'' Hoehe:414m

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