Von Mendoza ueber Umwege nach Salta


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Wir erholen uns noch etwas von unserer Mega-Bus-Tour auf dem netten Camping Suizo in Mendoza. Abends gehen wir auf ein Bier in die Strasse der Studentenkneipen. Wie so oft in Suedamerika ist hier alles zusammengefasst, alle Schneider sind in einer Strasse, alle Motorradlaeden in einer anderen usw. aber alles immer konzentriert. Wenn man endlich die jeweilige Strasse gefunden hat, macht es das Einkaufen wesentlich einfacher. In der Strasse der Studentenkneipen ist also ueber einen guten Kilometer eine Kneipe an der anderen. Man trifft sich fruehstens so ab Mitternacht und zieht dann von Kneipe zu Kneipe oder beobachtet, wie die anderen (sehr huebsche Mendozanerinnen) vorbeiflanieren. Uns faellt es schwer, diese schoene Stadt zu verlassen aber dennoch geht es wieder weiter. Unserer naechstes Ziel ist das Valle de la Luna im Park National Ischigualasto. Das Mondtal hat seinen Namen von der bizarren Landschaft die die Natur hier ueber Jahrtausende schuf. Da man nur gefuehrt den 40km Rundweg durch das Tal machen kann, schliessen wir uns einer Tour an und werden freundlicherweise von zwei anderen Touristinnen im Auto mitgenommen. Im Konvoi sind mehrere Autos und ein Reisebus mit Schuelern. Da der Guardaparque zugegebenermassen witzige Grimassen beim Sprechen erzeugt, ist die Schulklasse bei den Stopps mehr am Lachen als beim Zuhoeren. Trotzdem koennen wir die ein oder anderen interessanten Hintergruende ueber das Entstehen der Landschaft erfahren. Verschiedene Ablagerungsschichten deuten auf Vulkanausbrueche oder fruchtbare Episoden hin. Bei einem der Stopps koennen wir den Ausfuehrungen des Guides nicht so ganz folgen und verstehen nicht, wo die Steinkugeln herkommen, die dort herum liegen. Wir vermuten jedoch, dass es sich um versteinerte Dinosaurierhaufen handeln muss, schliesslich gab es ja hier mal welche. Nachts weckt uns ein unglaublich starkes Gewitter und wir befuerchten, dass die dicken Tropfen die Zeltwand durchschlagen. Jedoch verzieht sich das Gewitter wieder und hinterlaesst ein fussballfeldgrosses Schlammfeld ( welches wir zur Strasse queren muessen). Das Abbauen des Zeltes wird in dieser Schlammpackung zur logistischen Meisterleistung, wenn man nicht alles total einsauen moechte. Nachdem wir wieder festen Boden unter den Reifen haben geht es weiter nach Chilecito, wo wir fuer Ostern bleiben. Die extrem kompetente Tourist Information des Ortes kann nicht ueber dessen Trostlosigkeit hinwegtaeuschen. Da jedoch auch in Argentinien an Ostern die Raeder stillstehen beschliessen wir trotzdem zu bleiben und campieren im Garten einer Bauernfamilie ausserhalb der Stadt. Wir lesen Reisefuehrer und konsultieren unsrere Landkarten der kommenden Etappen.

Hoehenluft


Im noerdlichen Argentinien fuehren einige Passstrassen ueber die Anden nach Chile. Diese gehoeren zu den hoechsten befahrbaren Paessen der Welt. Fast aus Langeweile beschliessen wir einen "kleinen Umweg" ueber Chile nach Salta zu machen. Es soll auf dem Hinweg der Paso San Francisco (4784m) und zuruck der Paso Sico (4079m) sein. Die erste Huerde stellt sich uns schon beim Verlassen der Stadt Chilecito. Der Ort verfuegt ueber keinerlei Strassenschilder und so suchen wir eine gute Stunde die Stadt nach der Ausfallstrasse nach Norden ab.


Auf dem Weg zum Paso San Francisco machen wir einen letzten Halt bei den Thermen von Fiambalá, bevor es in die Hoehe geht. In dieser wunderschoenen von einer heissen Quelle gespeisten , terassenartig angelegten Therme koennen wir uns bis spaet Abends im heissen Wasser entspannen. Gleucklicherweise kann man direkt neben den Pools campen, denn im obersten und heissesten Becken waren wir wohl etwas zu lang und so torkeln wir etwas benommen ins Zelt.
Eine 20 koepfige Endurotruppe aus Buenos Aires ist auch fuer das Wochenende da und als sie uns sehen schuetteln sie nur mit dem Kopf und meinen, meine Motorradjacke sei ja wohl mehr Wert als Heikes Maschine ?! Trotzdem bestehen sie auf ein Foto von ihr und der 500er, um zu Hause die Freundin zu einem Trip ueberreden zu koennen. Der Fototermin lockt auch noch andere auf den Plan. Der Besitzer eines Schweisserladens aus Mendoza spricht uns an und da am 27.April in Argentinien Wahl ist, kommt auch die Politik zur Sprache. Er klagt ueber schlecht laufende Geschaefte und sein Sohn ist schon auf der Suche nach Arbeit nach Neuseeland ausgewandert. Die Endurofahrer sind der Meinung, Argentinien hat guten Wein, schoene Maedels und das beste Rindfleisch aber der Rest... das ist ein Disaster. Wir stimmen freundlich zu und machen uns mal langsam auf den Weg. Durch den Smalltalk haben wir fast 2 Stunden weniger Zeit fuer unsere Tagesetappe. Wir legen schnell die ersten hundert KilometerAsphalt bis zur argentinischen Ausreise zurueck.
Die Zoellner kommen kurz aus ihrem Haueschen und teilen uns mit, dass sie zu Mittagessen und wir warten sollen. Geduldig machen wir es uns im Schatten gemuetlich und essen auch etwas. Nach fast einer Stunde werden wir herein gebeten und bekommen unsere Ausreisestempel und zwei Laufzettel. Einer sei fuer den letzten Kontrollposten auf argentinischer Seite vor der Passhoehe und einer fuer den ersten Kontrollposten auf chilenischer Seite. Gespannt fahren wir weiter. Noch muessen wir 100km und ca. 1200 Hoehenmeter zuruecklegen. Die Strasse steigt vom Zoll (3500m) stetig auf 4000m an, bis sie kurz vor der Passhoehe nochmals in 8km um fast weitere 800 Hoehenmeter ansteigt. Auf 4000m laufen die beiden XT's noch recht passabel, lediglich wir muessen schon ab und zu mal einen Zwischenatmer einlegen. Der letzte argentinische Kontrollposten will eigentlich schon beide Laufzettel haben, aber ich erklaere ihm, dass einer noch fuer den chilenischen sein soll und er findet das dann auch o.k. Ab 4500m Hoehe muss man die beiden Maschinen schon bei Drezahl halten, damit es noch richtig vorwaerts geht. Der Leistungsabfall ist deutlich zu spueren. Trotzdem packen es die Maschinen, uns und unser Gepaeck auf die knapp 4800m hoch zu bringen und exakt auf der Passhoehe endet der Strassenbelag. Nach weiteren 10km kommt auf der chilenischen Seite der erste Kontrollposten. Der wahrscheinlich schon von der duennen Luft beeintraechtigte aber sehr nette und witzige Beamte fragt auch gleich nach unseren Laufzetteln. Stolz praesentiere ich ihm den Verbliebenen aber er erklaert mir, dass ich eigentlich zwei haben sollte. Dass den anderen die Argentinier haben interessiert ihn nicht so und er meint nur das gibt Probleme... zwischendurch werden noch zwei Autos Chilenen abgefertigt und wir warten mal wieder. Da es kalt ist werden wir dann netterweise in die waermere Stube hereingebeten und bekommen noch ein paar Bergsteigergeschichten vom nahen Ojos del Salado (6864m) erzaehlt. Wieder mal eine Stunde spaeter werden wir dann freundlich weiter geschickt, da der Beamte nun mit Handtuch bewaffnet sich auf den Weg zu den nahgelegenen Thermen macht. Da sich der Tag so langsam dem Ende neigt, versuchen wir noch krampfhaft Hoehe abzubauen. Sehr weit kommen wir allerdings nicht mehr und so muessen wir notgedrungen auf 4000m Heohe in der chilenischen Puna unser Zelt aufstellen. Zu dem hoehenbedingten Kopfweh kommt kurz nach Sonnenuntergang auch noch eine schneidende Kaelte hinzu. Wir ziehen alles an was wir haben und kriechen in die Schlafsaecke. Wir liegen mehr wach als dass wir schlafen koennen und sind froh, als morgens endlich die ersten Sonnenstrahlen das Zelt aufwaermen. Der 5L Kanister ist komplett zum Block gefroren und wir brauchen eine Weile bis wir genug Wasser fuer unseren Tee haben.
Erst 50km weiter kommt die chilenische Aduana. Wir stehen vor einem komplett ausgestorbenen Gebaeude und fragen uns, ob ueberhaupt jemand da ist. Nach einer Weile kommen die Beamten aus den umliegenden Wohnhaeusern und wir werden abgefertigt. Nach irgendwelchen Laufzettel fragt hier zum Glueck keiner mehr. Nochmals verbleibt die Piste zwischen 3500 und 4000 Hoehenmetern, bevor es endlich wieder runter geht. Der handtuchtragende Beamte von der ersten chilenischen Kontrolle hatte uns bereits vorgewarnt: Die Abfahrt soll sehr steinschlaggefaehrdet sein - mit Steinen so gross wie Fernseher und tatsaechlich, auf der wohl neu angelegten Piste liegen ueberall erschreckend grosse Steine herum. Schaut man den Hang ueber einem hinauf, haelt man lieber die Luft an und hofft, dass sich gerade nichts loest. Der Strassenbschnitt verliert auf knapp 20km Laenge ueber 1500 Hoehenmeter und wir lassen soviel Abstand, dass es im Falle eines Falles nur einen von uns erwischt. Am gleichen Tag noch fahren wir bis an den Pazifik zum Oertchen Chañaral. So fahren wir an einem Tag von ueber 4000m Hoehe hinab auf Meereshoehe.
Da Chañaral nicht gerade ein Ort zum Verweilen ist, sitzen wir am naechsten Morgen schon wieder auf den Bikes und rotzen die 400km nach Antofagasta runter. Dieser Abschnitt von Chile liegt mitten in der Atacama Wueste. Gab es in Patagonien noch Strauecher so gibt es hier wirklich nichts mehr ausser Sand und Geroell. Einziges Highlight des Tages ist die Mano del Desierto, eine 15m hohe steinerne Hand die sich aus dem Wuestensand erhebt. Tags darauf passieren wir den Tropico del capricorno, den südlichen Wendekreis (23,5 ° Süd, Wendekreis des Steinbocks) und erreichen Calama DIE chilenische Minestadt. Auf dem Weg dorthin passieren wir viele alte Nitrat und Salpeterminen, sogenannte Oficinas, die hier zu Beginn des letzten Jahrhunderts viele tausend Menschen beschaeftigt haben und zugleich den Reichtum chilenischer Hafenstaedte wie Antofagasta begruendeten.

 

 

Der groesste Kupfertagebau der Welt


Calama ist der bessere Teil con Chuquicamata, dem groessten Kupfertagesbaus der Welt. Von den Einheimischen nur Chuqui genannt, liegt die Mine ca. 16km noerdlich von Calama. In Chuqi ist alles gigantisch gross. Die riesigen Muldenkipper mit ihren allein 4m hohen Reifen wirken wie Spielzeuge in dem Tagebau. Ein extremes Loch von 800m Tiefe, 4km Laenge und 2,5km Breite wird taeglich von 8000 Mitarbeitern beackert. Taeglich um fuenf Uhr Nachmittags wird gesprengt, danach schaufelt ein Bagger die Kuehlschrank bis Kleinwagen grossen Brocken auf die riesigen LKWs. Diese transportieren das Erz zum zerkleinern und chemischen Auswaschen. Was so von mehreren hundert Tonnen Abraum uebrigbleibt sind ein paar hundert Kilo schwere Kupferplatten. Chuqui ist stolz darauf, das welweit reinste Kupfer zu produzieren nebenbei entsteht sozusagen als Abfall noch Gold Silber und Molybdaen. Hauptabnehmer sind vor allem die Consumer Elektronik produzierenden Laender Japan, Korea und China.
Was bei der Hochglanzveranstaltung fuer die Touristen nicht so ganz herauskommt ist wie es sich mit der Umweltvertraeglichkeit eines solchen Unternehmens verhaelt vor allem der immense Wasserverbrauch bei der Kupferproduktion laesst den ahnungslosen Reisenden doch etwas raetseln. Immerhin ist die Atacama eine der trockensten Regionen der Erde. Ganz zu schweigen von den Chemikalien, die zur Auswaschung des Gesteins notwendig sind.

San Pedro de Atacama und der Paso Sico


Die 100km nach San Pedro de Atacama sind auf der asphaltierten Strasse schnell zurueckgelegt. Schon ab der halben Strecke kann man den Vulkan Lincancabur (5930m) in voller Pracht bewundern bewundern. Beim Salar de Atacama gelegen bildet San Pedro den krassen Gegensatz zu Calama. Halb Touri-Kaff und halb Dorf voller Geschichte ist San Pedro eine richtige Oase in der endlosen Weite der Atacama. Fuer uns sind es die ersten Haueser im Adobe Stil. Unter den meist mit Kaktusholzdach versehenen Lehmhauesern ist auch die Kirche des Ortes von 1540. Nebenan ist das Museo Arqueológico mit der sogenannten Miss Chile: Eine Mumie it der typ. Sitzstellung, die mehrere hundert Jahre alt ist un nur durch die extreme Trockenheit der Region so konserviert wurde. Kurz bevor wir abfahren treffen wir im Hostel noch einen Hollaender auf einer Yamaha YZF R1 der schon zum zweiten mal auf einer Strassenmaschine (!) die Welt umrundet.
Wir aber wollen weiter und nun folgt Andenpaesse und wie man sie besser nicht faehrt Teil II:
Die Ausreise in Chile findet schon in San Pedro de Atacama statt. Da wir ja mal wieder Zeit im Ueberfluss haben, darfs bei den Grenzformalitaeten ruhig etwas laenger dauern. Der Biokontrolleur von Chile denkt wir wollen Einreisen und faengt gleich an, an unseren Schaffellen herumzuzerren, doch Gluecklicherweise reisen wir aus und er gibt sich damit zufrieden uns zu erklaeren, dass wir mit den Fellen bei ihm sicher nicht durchgekommen waeren !?
Nun brauchen wir nur noch den Ausreisestempel und wir sollen zwei Tueren weiter klopfen. Gesagt getan - nach ca. 20 Minuten kommt ein extrem verschlafen dreinblickender Beamter aus der Tuer und stempelt im Halbschlaf unsere Paesse. Weiter gehts. Schon im ersten Ort nach San Pedro ( ca. 15km), in dem wir nur schnell eine weitere kaktusbedachte Kirche besichtigen wollen, verbabbeln wir uns mit einem RTW (Round the World) Fahrradfahrer, so dass wir an dem Tag nur noch ca. 30km weit kommen, bevor die Sonne untergeht. Der naechste Tag fuehrt uns durch wunderschoene Andenlandschaften, entlang an zwei Lagunen, die zu Fuessen der umliegenden 5000er liegen. Endloses Wellblech ruettelt uns und die Maschinen gewaltig durch, ehe wir Chile verlassen und nach Argentinien gelangen. Die argentinische Einreise gestaltet sich wie gewohnt unproblematisch. Die Grenzer haben als Kommentar zur 20 Jahre alten XT500 nur "Museo Salta" parat. Wir schmunzeln gequeaelt und wellblechen weiter. Hier muss man mal anmerken, dass in dieser Region ein Pass kein Pass ist sondern meist nur die Hoehe der Strasse am eigentlichen Grenzuebergang vermerkt ist. Es kann durchaus danach oder vorher wesentlich hoeher hinauf gehen so dauerts mal wieder ueber 150km und ein Nachtlager bevor wir wieder Hoehe abbauen koennen.
Die Passstrasse fuehrt auf der argentinischen Seite einige Zeit an der alten Bahnstrecke nach Chile entlang, dem beruehmten Tren de las Nubes ( entspr. Zug in die Wolken ). Die ehemalige Gueterverkehrsstrecke wird heute als Touristenattraktion verkauft. Die erste groessere Ortschaft ist San Antonio de los Cobres. Wir sind froh wieder zurueck in der Zivilisation zu sein und geniessen erst mal ein ausgiebiges Mittagessen. Hier sieht es jetzt schon ziemlich bolivianisch aus. Es gibt sehr viele Adobe Haueser und Menschen in Tracht. Nach Salta sind es nun noch knapp 150km, die durch ein von bizarren Felsformationen und wilden Farben nur so strotzendes Tal fuehren. In Salta steuern wir den Camping Municipal an, wo durch Zufall schon Asado Dan vor dem Eingang steht.

Letzte bekannte Position vom 01.05.03: S:24°48'54,3'' W:065°24'53,4'' Alt. 1219m




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