Von Salta nach Uyuni


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Nachdem kurz darauf auch noch Benni & Nadja hier eintrudeln, ist der Absturz vorprogrammiert. Die naechsten Tage werden wir von Dani wiedermal aufs vorzueglichste bekocht, die mendozanischen Weinreserven werden aufgebraucht und die Naechte sind lang. Von Salta bekommen wir dementsprechend wenig mit, es gibt eine nette Kneipenstrasse, die Kirche am Plaza ist unbedingt sehenswert, doch meist feiern wir auf dem Camping. Immer mit dabei ist hier der coolste Hund Suedamerikas, von uns "Wurst" getauft. Eine Schosshundpromenadenmischung mit extremem Ueberbiss, von einer Katze grossgezogen, was die Identitaetsstoerungen erklaert. Jedenfalls weicht der uns die naechsten Tage nicht mehr von der Seite und ich hoffe ja immer noch, dass sich Dani & Nicole ihrer erbarmen, bevor sie von einem viel zu grossen Hund geschwaengert wird!!!
Auf dem Weg nach Bolivien wollen wir uns diesmal etwas Zeit nehmen, um uns langsam an die unegewohnte Hoehe zu gewoehnen. So machen wir auf dem Weg zur Grenze einige Abstecher, besuchen die Thermas de Rey, bewundern die siebenfarbigen Felsen hinter Purmamarca und verbringen die letzten argentinischen Naechte in Humahuaca. In diesem Dorf ist die nahe Grenze schon spuerbar, wir sehen die ersten Frauen in typischer Tracht und das Leben spielt sich mehr und mehr auf der Strasse ab.
Als wir tags darauf (nach Ushuaia) nun das andere Ende Argentiniens erreichen, koennte der Kontrast kaum groesser sein: Massen von Menschen passieren zu Fuss oder mit dem Fahrrad den Grenzposten. Die Frauen haben ein buntes Tuch (Manta) um die Schultern gewickelt, prall gefuellt mit Kindern oder Zementsaecken (behauptet Markus). Wir erledigen nacheinander den Papierkram, waehrend einer immer die Maschinen bewacht und als ich das Buero des bolivianischen Zolls betrete, werde ich schon von 5 grinsenden Maennern erwartet, die alle gebannt auf meinen Pass starren, den Markus schon vorher abgegeben hatte. Mein Anblick scheint jedoch zu enttaeuschen, sie betrachten nochmals das Passfoto, dann mich, schuetteln den Kopf und meinen nur "que cambio", was soviel wie "welch ein Unterschied" bedeuten soll und fertigen mich ab. Wirklich sehr nett, war aber nicht das erstemal auf dieser Reise, dass irgendwelche Beamten auf mein (wirklich schlechtes!!) Foto zeigen und behaupten, dass ich darauf ja viel besser aussehen wuerde. Die haben vielleicht Vorstellungen - Motorrad fahren mit Helm, schlechte Pisten herunterrotzen und dann vielleicht noch frischgeschminkt und frisiert an der Grenze erscheinen??!!
Mit bolivianischem Stempel gehts gleich weiter Richtung Tupiza, wobei wir jedoch die staubige Strecke etwas unterschaetzen. Die Lastwagen zu ueberholen wird hier jedesmal zu einem Kamikazeakt, bei dem man nur hoffen kann, dass einem nichts entgegenkommt und die Strasse weiter geradeaus geht. Das kostet Zeit und deshalb wird es auf den letzten Kilometern schon langsam dunkel. Mit meiner 6 Volt Superduperlichtquelle und dem bolivianischen Leben auf der Strasse ein Erlebniss, das wir so schnell nicht wiederholen werden... Irgendwie erreichen wir das Staedtchen. Das Hostal hat zwar die schlechtesten Betten der Welt, weshalb wir ersteinmal einen kleinen "Umbau" im Zimmer vornehmen, aber unser erstes bolivianisches Dorf ist faszinierend und schoen und wir beschliessen, zur Eingewoehnung zwei Tage zu bleiben. Als wir vom wohlverdienten Abendessen nichtsahnend zurueckkehren, werden wir im Hof des Hostals von 10 Polizisten mit Maschinengewehren im Anschlag erwartet. Die Besitzerin ueberreicht uns etwas gequaelt den Zimmerschluessel und wir beeilen uns, aus der Schusslinie zu kommen - wenigstens scheinen die Mopeds gut bewacht zu sein! Am naechtsen Tag verbringen wir Stunden auf dem Markt. Von Installationsartikeln, Obst & Gemuese, Handarbeiten, ueber Mittagessen, Schuhe, Reifen und und und wird hier einfach ALLES angeboten. Dementsprechend findet man in Bolivien keine Supermaerkte mehr, auf den Strassen wird angepriesen, gefeilscht und die Stimmung ist einzigartig. Am Abend gehen wir einem Tipp unseres Reisefuehrers nach, der uns ein vegetarisches Essen verspricht, doch als wir das vermeintliche Restaurant erreichen, stehen wir etwas unschluessig vor einem normalen Wohnhaus. Wir werden jedoch freundlich hereingebeten, duerfen im Wohnzimmer von Irma Platz nehmen, die dann uns und anderen Reisenden eine superleckere vegetarische Lasagne kocht.
Gut erholt und gestaerkt wagen wir die naechste Etappe. Die Strecke zwischen Tupiza und Uyuni soll so schlecht sein, dass die meisten Motorradfahrer hier auf den Zug verladen. Als wir losfahren wollen, hat meine 500er hinten auch noch einen Platten - ein schlechtes Omen vielleicht? Der Schlauch wird ausgetauscht und gleich in der naechsten Gomeria geflickt. Ein zehnjaehriger Junge ist hier der Chef. Assistiert von zwei erwachsenen Maennern macht er seine Arbeit gut und kassiert danach auch persoenlich ab.
Auf einer, uns oft frequentierten, sehr ausfuehrlichen homepage ( Chris & Erin seit 4 Jahren auf 2 BMW´s unterwegs) haben wir vorher gelesen, dass die erste Haelfte der Strecke gute Piste waere und erst danach ein paar sandige Abschnite kommen wuerden. Umso erstaunter sind wir, als die Strasse nach wenigen Metern aufs Flussbett abbiegt und wir gleichmal ein paar Wasserdurchfahrten bewaeltigen muessen. Erstmal fahren wir unbeirrt weiter, doch der Weg wird immer schmaler und unwegsamer - das soll tatsaechlich der bessere Part sein? Irgendwann fragen wir doch ein paar Arbeiter am Strassenrand, die uns freundlich darueber aufklaeren, dass wir uns hier auf der alten Strasse nach Uyuni befaenden. So bleibt uns nichts anderes uebrig als umzudrehen und fast nach Tupiza zurueckzufahren, bevor wir auf die neue und wirklich bessere Piste treffen. Inzwischen ist es schon Nachmittag, bei Atochi, einer haesslichen Minenstadt im Nichts, werden wir nun wirklich durch Flussbett und Matsch gescheucht und kurz darauf stellen wir erledigt unser Zelt auf. Auch diese Nacht ist kalt, wir erwarten morgens sehnsuechtig die ersten Sonnenstrahlen, bevor wir uns aus Schlafsack & Zelt trauen. So schoen die Strecke landschaftlich gestern war, umso langweiliger ist das letzte Stueck bis Uyuni. (Gluecklicherweise nur) kurze Tiefsandpassagen wechseln sich mit nervtoetendem Wellblech ab und das durch wuestenaehnliche, immergleiche Szenerie. Umso erleichterter erreichen wir am Spaetnachmittag endlich das Staedtchen am Rande des groessten und hoechsten Salzsees der Welt!


Letzte bekannt Position: S 24º48'54,3" W 065º24'53,4" (Camping Salta)




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