Entlang der Silberpiste zur Hauptstadt Boliviens


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Vor lauter Freude ueber die gelunge Etappe auf der Piste von Tupiza nach Uyuni gehen wir noch am gleichen Nachmittag in Uyuni Essen - der Anfang unserer ganz persoenlichen, bolivianischen Misere. Heike entledigt sich noch in der folgenden Nacht und ich am darauffolgenden Tag des Essens. Die naechsten zwei Tage verbringen wir immer mit einer Toilette in naechster Naehe...
Nachts schuetzen wir uns mit Schlafsack und 4 Lagen bolivianischer Wolldecken gegen die Kaelte im unbeheizten Hotelzimmer in Uyuni. Uyuni, das ist ein kaltes Nest, das hatten uns schon die Leute in Tupiza prophezeit.

 

Als es uns wieder etwas besser geht, machen wir uns mit den Motorraedern und GPS bewaffnet auf den Weg zum Salar deUyuni, dem groessten Salzsee der Welt (Flaeche: 12 000 km², Hoehe 3750m). Etwa 20km weiter noerdlich bei der Ortschaft Colchani ist die Einfahrt auf den Salar. Nach Colchani fuehrt noch ein kleiner Erddamm ca. 2km bis auf das Salz. Gleich am Rande des Salzsees wird von Einheimischen mit Hacken und Schaufeln das Salz von der Oberflaeche gekratzt und zu Haufen zusammengeschoben. Die Haufen widerum werden von Hand auf LKW's verladen. Anfangs noch etwas vorsichtig drehen wir doch recht bald beherzt am Griff und fliegen mit Vollgas ueber die brettharte Salzkruste


Einige Kilometer weiter treffen wir auf das Hotel de Sal, ein komplett aus Salzquadern erbautes Gebaeude, nur das Dach ist mit Pajagras gedeckt. Den Weg dorthin haetten wir auch ohne GPS gefunden, da immer ca. 20 Jeeps der Touranbieter aus Uyuni vor oder hinter uns sind. Im Inneren sind sogar Tische und Stuehle und Betten aus Salz gebaut. Die organisierten Touren machen hier eine Mittagspause - uns wird beim Anblick schon wieder schlecht...

 

Wir fahren weiter in Richtung der Isla Inka Huari, einer Insel, die ca. 60km weiter mitten im Salzsee liegt. Beim Losfahren vom Salzhotel sehen wir noch einige Zeit einen Jeep vor uns, bis er am Horizont verschwindet und wir ganz allein ueber die endlos weisse Flaeche dahinschweben.
Vor uns und hinter uns ist jetzt nichts mehr - nur am Horizont kann man noch die umliegenden Berge ausmachen. Hart wie Beton ist der Untergrund und fast ueber die ganze Flaeche kann man regelmaessige Sechsecke sehen, nur ab und zu sind mal kleine Loecher auszumachen, die mit Wasser gefuellt sind. Wenn man so dahingleitet, nur noch gefuehrt von dem kleinen Pfeil auf dem GPS Empfaenger, hat man fast das Gefuehl, mit einem Schiff zu fahren.
Nach einer knappen Stunde sehen wir am Horizont schon die Umrisse der Isla Pescado. Wir umrunden die Insel im grossen Bogen und fahren zum Zugang auf der Rueckseite. Die Insel ist mit Kakteen bewachsen, manche davon mehr als 1000 Jahre alt und ueber 6m hoch. Die Bewohner der Insel haben einen sehr schoenen Rundgang ueber die Felsen angelegt, der ueber die gesamte Insel fuehrt. Immer wieder hat man faszinierende Ausblicke durch Felsen und Kakteen auf das unendliche Weiss um einen herum. Man fuehlt sich wie in einer Oase, mit dem Unterschied, dass hier das Wasser taeglich mit LKW's muehsam angekarrt werden muss. Die Rueckfahrt nach Uyuni ist nochmal Fahrspass pur.
Potosi, die Minenstadt, ist unser naechstes Ziel und so verlassen wir am darauffolgenden Morgen das saukalte Uyuni. Auf der Fahrt nach Potosi geht es durch verschiedene Hochebenen. Hier ist das Zentrum der bolivianischen Lamazucht und dementsprechend viele Tiere kann man unterwegs sehen. Die erwachsenen Tiere der Herde sind meist mit bunten Wollfaeden verziert, die in die Ohren eingeknuepft sind.
Eine Stunde suchen wir in der Stadt ohne Strassennamen nach einem Hostel. Zwischendrin wird der Verkehr mal fuer eine halbe Stunde wegen eines Umzuges der Erstklaessler unterbrochen. Entnervt chartern wir ein Taxi, welches uns nach wenigen Minuten an die richtige Adresse bringt. Potosi ist auf ueber 4000m Hoehe die hoechstgelegene Ansiedlung ihrer Groesse auf der Welt. Gegruendet wurde die Stadt 1545, anscheinend in einer Gegend, in der der Indianer Diego Huallpa auf den Spuren entlaufener Lamas auf eine Silbermine gestossen war. Durch die Bodenschaetze war Potosi im 17. Jahrhundert eine extrem reiche Stadt, die mit goldbestueckten Kirchen, Stadtpalaesten aus edlen Hoelzern und Strassen mit Pflastern aus Silber (!?) aufwarten konnte. Ursprung des Reichtums ist der benachbarte Cerro Rico (4830m), der Zauberberg, in dem heute noch etwa 200 von schaetzungsweise einmal 5000 Stollen in Betrieb sind.
Dort schuften heute unter mittelalterlichen Bedingungen und ohne jegliche Sicherheitsvorkehrungen Maenner, zusammen mit ihren meist noch minderjaehrigen Soehnen, um das glaenzende Metall aus der Erde zu holen. Hochprozentiger Alkohol und Coca ist was den Menschen im Innern des Zauberberges ihre Durchhaltekraft bringt. Vor allem das Kauen der Cocablaetter, was schon immer zur Kultur der Andenstaaten geheorte, wurde zu den Glanzzeiten den Arbeitern von den Minenbesitzern regelrecht angeordnet. Staerkte es doch die Arbeitskraft und somit die Produktivitaet der Arbeiter. Laut der Historie waren Cocablaetter damals so wertvoll, dass es mit Silber aufgewogen wurde. Doch schon zu der Zeit haben die Arbeiter gerade soviel verdient, dass sie nur das notwendige Coca kaufen konnten und dann vielleicht noch eine Kleinigkeit übrig blieb. Die immer groessere Gier nach dem glitzernden Metall und der damit verbundene Arbeitskraeftemangel brachte auch den Sklavenhandel nach Potosi. Die aus Afrika entfuehrten Menschen konnten jedoch in der Hoehe nur schlecht leben und arbeiten und manche haben wohl kaum laenger als 6 Monate ueberlebt.
Von Potosi nach Sucre fuehrt eine 165km lange asphaltierte Strasse, was fuer uns nach sovielen Pistenkilometern reiner Luxus ist. Unterwegs treffen wir einen bolivianischen Argraringenieur, unterwegs mit einer Honda XL185S. Er steht am Strassenrand, da der Kupplungszug gerissen ist. Mangels Bowdenzugreparaturset helfen wir mit einer Luesterklemme aus dem Elektro-Notset aus. Er ist auf dem Weg zu einer Kommune, die irgendwo in einem Seitental liegt. Er besteht darauf, dass wir noch bis zum Abzweig zusammen fahren. Beim Verabschieden erklaert er uns noch, dass er den Baeuerinnen im Dorf beibringt, wie man Schnittblumen anpflanzt. Die Blumen entwickeln anscheinend in der Hoehe eine besondere Farbenpracht und lassen sich deshalb gut verkaufen. Wir wuenschen uns gegenseitig noch Suerte und ziehen weiter, danach hangeln wir uns von einem Bergruecken zum anderen bis wir schliesslich in der sogenannten weissen Stadt ankommen. Sucre ist zugleich Hauptstadt Boliviens.


Einige GPS Daten des Salar und Umgebung




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