Die 2 Hauptstaedte - von Sucre nach La Paz


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In Sucre werden wohl jaehrlich Tonnen weisser Farbe verbraucht, denn die komplette Innenstadt erstrahlt in bluetenreinem Weiss. Bei unserer ersten Stadterkundung lockt uns der Reisefuehrer ins Goethinstitut und dessen "Kulturcafé Berlin". Dort verbringen wir ein paar Stunden bei typisch deutschem Essen & Kaffee, lesen Die Zeit vom letzten Monat und stillen etwas unser Heimweh. Umso groesser dann der Schock, als wir spaeter wieder auf die Strasse und in den dazugehoerigen bolivianischen Trubel zuruecktauchen.
Noch wilder wird es allerdings am folgenden Tag. Wie jeden Sonntag findet im nahegelegenen Tarabuco ein Markt statt, der wegen seiner Originalitaet auch viele Touristen anlockt, die alles gleich weniger original erscheinen lassen. Natuerlich lassen auch wir uns dieses Event nicht entgehen und kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus: Aus den umliegenden Doerfern stroemen die Campesinos (Landbewohner) auf den Markt, die meisten in ihren Originaltrachten und ein Farbenmeer von Orange- und Rottoenen ueberflutet den Platz. Die Tarabukener erkennt man sofort an ihrer Kopfbedeckung, einer Art schwarzem Stoffhelm, der der spanischen Eisenvariante nachgeahmt wurde.Dazu tragen die Maenner immer zwei Ponchos ueber einer weissen Hose, die Frauen schwarze Roecke und ein schmuckes, handgewebtes Tuch (Manta) ueber den Schultern. Stolz flanieren sie durch die Gassen, erstehen neue Schuhe, eine Sichel oder Lebensmittel, hassen es jedoch, fotografiert zu werden. Die Maenner genehmigen sich derweil ein paar Bier und nach einigen Stunden torkeln die meisten ziemlich angetrunken durch die Gegend. Fuer uns Touristen werden vor allem Webwaren angeboten, wofuer diese Gegend beruehmt ist und auch wir erstehen eine wunderschoene, handgewebte, mit Kraeutern eingefaerbte Manta, bevor es mit dem Bus zurueck nach Sucre geht.
Dort vertiefen wir uns noch etwas weiter in die bolivianische Webkunst und besuchen das sehr empfehlenswerte Webmuseum der Stadt. Hier werden nicht nur kunstvolle Stoffe und Kleidungsstuecke ausgestellt und Techniken erlaeutert, eine Kooperative unterstuetzt gleichzeitig 1300 WeberInnen bei ihrer Arbeit und foerdert dadurch den Erhalt und die Weiterentwicklung dieser Kunst. Die Abende verbringen wir am liebsten im Joyride-Café und lassen es uns bei leckerem Caipi (fast schon Stoertestandard!) und feinem Essen mal wieder gut gehen - zumindest zwischen den Durchfallattacken...
Unsere Weiterfahrt wird etwas verzoegert durch heftige Gewitter und wir warten eine Schoenwetterperiode ab, bevor wir uns auf die Erdpiste nach Villa Tunari trauen. War wohl auch besser so, denn als wir endlich losfahren, ist zwar das meiste inzwischen trocken, aber nicht selten haben diverse Erdrutsche Teile der Strasse weggeschoben und wir werden umgeleitet. Die bolivianischen Strassenarbeiter sind immer und ueberall praesent, schaffen Steine und Erde beiseite, alle in gelber Arbeitskleidung, wobei die Frauen natuerlich (traditionsbewusst) gelbe Petticoatroecke tragen!
Zwischenstopp ist diesmal in Alquile, z.T. da es genau in der Mitte liegt, vor allem aber, da in diesem Dorf eine Hochburg der andinischen Charangoproduktion sein soll. Nach etwas Herumfragen, verstaendnisslosem Kopfschuetteln und Gelaechter, finden wir irgendwann selbst eine Werkstatt dieses gitarrenaehnlichen Instruments. Wir werden beraten, es wird angeschaut, ausprobiert und schliesslich gekauft. Als wir aus dem Laden treten, haben sich schon ein paar Dorfbewohner eingefunden, die grinsend beobachten, wie ich mir das Instrument irgendwie auf den Ruecken schnalle, mich aufs Moped setze und so versuche, die 500er anzukicken. Im naechsten Hostel parken wir gleich wieder, nehmen ein Zimmer und klimpern den Rest des Abends drauflos - fuer bolivianische Ohren sicher unertraeglich...
Die naechsten 100 km sind astreines Kopfsteinpflaster, wohl schon von den Inkas gepflastert und immer noch in gutem Zustand. So hoppeln wir etwas gewoehnungsbeduerftig weiter bis zum Abzweig nach Villa Tunari. Da wir uns immer noch auf knapp 4000 m befinden, das Ortchen jedoch, am Rande des Dschungels, auf 400 m liegt, kommen die letzten Kilometer fast einem Sturzflug gleich. Wenigstens ist dieser Teil asphaltiert, bis auf 20 km Baustelle, an der anscheinend die Strasse wieder so lange umgegraben wurde, bis auch wirklich die groessten Steine obenauf liegen! Langsam wird es richtig heiss hier, Bananenlaster aechzen uns entgegen und auch ueberall am Weg stehen Stauden voller reifer Fruechte.
In Villa Tunari steuern wir den erstbesten Camping an und werden von dem Funky Campingplatzbesitzer hereingebeten. Der ca. 50ig-jaehrige Mann traegt eine supercolle 70ies Sonnenbrille zu gruen-glaenzenden Shorts und einem gelben T-Shirt! In seinem Waerterhaeuschen haengt eine Styroporplatte voller aufgepiekster Dschungelinsekten, inkl. einer ziemlich grossen Vogelspinne. Er versichert uns jedoch, dass sich solche Exemplare nur in den Zimmern und nicht draussen aufhalten wuerden. Irgendwie werde ich dabei das Gefuehl nicht los, dass er Besuchern, die ein Zimmer mieten, genau das Gegenteil erzaehlt...Ganz wohl fuehle ich mich hier nicht, in der Daemmerung fallen Sandfliegen ueber uns her, die Campingdusche wird von einer Riesenkroete bewohnt und die Nacht im Zelt ist tropisch-stickig. So schoen die Natur hier auch ist - mit Kolibris, Affen, Schmetterlingen in sattem Gruen und bunten Blueten - ich moechte schnell raus und wieder etwas Hoehe gewinnen! Ueber Cochabamba geht es also schnurstracks weiter nach La Paz, zurueck auf sichere 3600 m!


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