Ort entsetzlicher Nachtkaelte


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Wir fahren mit der Busgesellschaft Manco Capac (benannt nach dem Inka der der Geschichte nach zusammen mit Mama Ocllo im Jahre 1200 Cusco gruendete) zurueck nach Copacabana, wo unsere Maschinen stehen. Diesmal vergeht die Fahrt schneller, da wir nicht unterwegs an jedem M...haufen jemanden aufsammeln muessen.
Den naechsten Tag beginnen wir mit einem leckeren Fruehstueck (hier in den Anden gehoert immer ein frisch gepresster Orangen-, Ananas-, Papaya- oder Bananensaft dazu) und machen uns auf den Weg zur Grenze. Vier Wochen zuvor waren wir in Sucre und hatten unsere Aufenthaltsgenehmigung auf 60 Tage verlaengern lassen. Auf die Nachfrage, wie es sich mit den Motorraedern verhaelt, hatte uns der Beamte in Sucre versichert, da sei keine Verlaengerung noetig und das geht so klar. Dass das keineswegs so ist konnten wir uns ja eigentlich schon an dem Tag in Sucre denken, aber da die Faulheit mal wieder ueber die Vernuft siegte, hatten wir es dabei belassen. So kommen wir nun an die bolivianische Ausreise mit gueltigen Paessen aber ueberzogenen Motorradpapieren.
Die Ausreisestempel sind schnell gemacht, bei der Aduana gibt es dann, wie schon fast erwartet, den Aerger. Der Zoellner ist offensichtlich ueberhaupt nicht darueber erfreut, dass wir die Genehmigung fuer die beiden XT's um eine gute Woche ueberzogen haben. Irgendwie versteh ich den Mann ja und frage mich selber, warum ich so dumm war und die Sache nicht schon in Sucre oder in La Paz in Ordnung gebracht hatte. Er zeigt mir so ein Verlaengerungspapier einer anderen Maschine und erkleart mir, dass wir nach La Paz zum Hauptzollamt zurueckfahren muessen! Es folgt eine mehr oder weniger hitzige Diskussion, worauf ich das Gebaeude verlasse und eigentlich schon bereit bin, die Grenze ohne den Ausreisestempel zu ueberqueren. Draussen sitzen wir und beraten, was wir unternehmen. Nach La Paz zurueckfahren kommt fuer uns nicht in Frage, da wir weiterwollen und auch sowieso nur noch einen Minirest bolivianisches Geld haben. Die andere Alternative ist einfach durchfahren, da uns eigentlich direkt niemand aufhaelt - was aber ziemlich dumm waere, da es logischerweise noch mehr Aerger produziert. Als wir ´ne knappe Stunde in der Sonne am Schlagbaum geschmort haben, werde ich vom Zoellner nochmals hereingewunken. Nach einer Predigt ueber die Wichtigkeit von Papieren und die Nichtigkeit von Worten wird der Ausreisestempel fuer die Motoraeder um eine Woche zurueckdatiert und die Papiere werden gestempelt. Die beiden XT's sind somit eine gute Woche vor uns ueber die Grenze gefahren und wir beeilen uns hinterherzukommen, bevor es sich noch jemand anders ueberlegt.
Etwa 500m weiter koennen wir schon wieder anhalten - jetzt sind die Peruaner an der Reihe. Diesmal geht es zuerst zur Aduana, die hektisch nach einem fuktionierenden Kugelschreiber suchen. Das kopierte Formular fuer die Motorraeder darf ich dann selber ausfuellen und nochmals fuer den Aktenschrank abschreiben. Als noch eine Nummer im Formular fehlt, von der weder der Zoellner noch ich so richtig verstehen, welche das sein soll, einigen wir uns auf einen Teil der Schluesselnummer im Fahrzeugschein... Nach einer halben Stunde sind dann die beiden Maschinen verzollt. Weiter geht es zur Migration, wo wir nach einer weiteren halben Stunde die Einreisestempel im Pass haben. Es scheint also alles schnell und wie am Schnuerchen zu laufen. Zum Schluss der Prozedur werden wir noch zur Policia Nacional, sozusagen den ersten Strassenpolizeiposten in Peru, geschickt. Solche Kontrollen gibt es auch immer wieder unterwegs. Normalerweise werden Nummernschild, Passnummer, Fahrtziel und Namen notiert und es geht weiter. Drinnen erwarten mich ca. 8 Beamte und der zustaendige begruesst mich mit einem freundlichen "Das waeren dann 20US Dollar pro Motorrad Bearbeitungsgebuehr". Zu meiner eigenen Ueberraschung bekomme ich erstmal einen mittelmaessigen Lachanfall, der aber von den umstehenden Menschen nicht erwidert wird. - Sollte also kein Witz sein? Meine naechste spontane Reaktion ist, dass ich dem Polizisten mitteile, dass ich ziemlich genau nichts bezahlen werde. Der Preis wird auf 10US gesenkt und nachdem ich weiter mit dem Kopf schuettle werde ich gefragt, wieviel ich den bereit sei zu zahlen. Ich erklaere, dass ich nichts bezahlen kann, da wir so lange reisen, immer im Zelt schlafen und fast nichts essen...
Da faellt mir der Kulinotstand der Aduana-Kollegen wieder ein, der auch bei der Policia Nacional nicht besser ist. Also biete ich einen Kugelschreiber der IKK Sachsen an, den ich selber von den Dresdnern XT'lern Robert und Andre geschenkt bekommen hatte (Danke !). Ein pruefender Blick und der Deal ist gemacht. So koennen wir dann auch in Peru von dannen ziehen. Wir fahren neugierig durch die ersten Ortschaften, die noch am Ufer des Titicacasees liegen. Rechts und links der Strasse sind die Bauern damit beschaeftigt, barfuessig Kartoffeln zu zertreten, um mit Sonne und Nachtkaelte eine Art Gefriertrockungsprozess zu erreichen, was die Kartoffeln auf Jahre haltbar macht. Zum Nachmittag kommen wir nach Puno - "den Ort entsetzlicher Nachtkaelte", wie unser Reisefuehrer behauptet. Tatsaechlich kann das Thermometer hier im Juli/August Nachts bis auf unter -25°C fallen. So kalt ist es jedoch nicht als wir ankommen und wir finden schnell ein Hostel mit Parkmoeglichkeit fuer die Motorraeder. Beim genauen Hinsehen ist Puno eigentlich gar nicht so haesslich wie Reisefuehrer und Co. berichten. In der netten Fussgaengerzone finden wir ein Cafe mit echtem Kaffee und extrem leckerer Quiche. So laesst es sich hier aushalten. Abends gibt es mal wieder eine Prozession an der auch Lamas teilnehmen (!?). Prozessionen und Feste, so stellen wir spaeter fest, sind in Peru allgegenwaertig und irgendwo findet fast jeden Tag ein Umzug statt. Nach Puno steigt die Strasse an und auf einer Passheoehe ist gleichzeitig die Wasserscheide dieser Region. Auf der einen Seit fliesst das Wasser in den Pazifik und auf der anderen Seite ueber den Amazonas in den Atlantik. Die Strasse faellt nach der Passheoehe relativ schnell ab und es wird, im Gegensatz zur Gegend um den Titicacasee, merklich gruener und ist dichter besiedelt. Ueberall findet man die fuer die Anden so charakteristischen Terassenfelder. Schon 100 km vor Cusco gibt es einiges an Inka Ruinen zu sehen. In Raqchi z. Bsp. gibt es die Reste eines riesigen alten Inkahauses, die neben dem sehr alten Dorfplatz mit Kirche stehen. Es ist, wie es wir schon einmal aehnlich im Baltikum erlebt haben, interessant zu beobachten, wie schnell sich die Szenerie auf einem Dorfplatz wandeln kann. In dem Moment als eine Busladung weiterer Touristen ankommt tauchen wie aus dem Nichts musizierende Maenner auf, tanzende Kinder, einige Artesania (Andenken) - Staende, sowie Menschen in Trachten, die Kuehe ueber den Platz treiben. Als der Bus abfaehrt sind binnen Sekunden wieder alle verschwunden?! Als wir wenig spaeter in Cusco ankommen, ist mas o menos die Hoelle los. In Vorbereitung des Inti Raymi Festes (groesstes Event des Jahres in Cusco) steht die Stadt Kopf. Alle Strassen sind verstopft und die Hotels platzen aus allen Naehten. Wir sind froh, als wir ein Taxi finden, welches uns zu dem Hostel unserer Wahl lotst.


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