Der Stein der Inkas


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Den Nabel der Welt nannten die Inkas Cusco, die Hauptstadt ihres Reiches und als im 16. Jahrhundert die Spanier hier einmarschierten, muessen sie sich im Paradies gewaehnt haben. Die Palaeste waren mit Gold verkleidet und die Inkas so verdutzt, dass sie alles kampflos uebergaben. Das Gold wurde eingeschmolzen und die Spanier versuchten daraufhin die Inkagebaeude einzureisen, was aber, wegen der aeusserst soliden Bauweise, nicht gaenzlich gelang und so wurde eben einfach auf die alten Grundmauern aufgebaut. Um einen Gegenpol zu den "heidnischen" Inkas zu setzen, sind hier zu dieser Zeit unheimlich viele, extrem protzige Kirchen entstanden, mit riesigen, vergoldeten Altaeren, Holzschnitzereinen und Gemaelden. Da die Kunstversorgung bei solchen Massen nicht mehr von Spanien aus geleistet werden konnte, eroeffnete die Kirche hier eine Akademie, in der begabte Indios unterrichtet wurden. Daraus entwickelte sich die Cuscoschule, mit den typischen duesteren Heiligenbildern und Golddruck, wobei die gemalten Gesichter durch die Jahre immer mehr indigene Zuege annahmen und auf den Bildern vom Letzten Abendmahl auch ab und zu mal ein Meerschweinchen verewigt wurde - damals wohl schon eine peruanische Delikatesse...? In dieser Stadt gibt es also Unmengen zu besichtigen und jede noch so verpisste Strassenecke strotzt nur so vor Geschichte.
Bei unserem ersten Rundgang sind wir aber vorrangig genervt, da jeder probiert, dir das Geld aus der Tasche zu ziehen, indem er dir was verkaufen moechte, dich anschnorrt, oder einfach versucht dich zu beklauen. Aber die Stadt hat auch Charme und vor allem die Inkamauern sind unglaublich. Mit einer beaengstigenden Praezision wurden 350 t schwere Felsbloecke transportiert, bearbeitet und so aufeinandergereiht, dass nichteinmal ein Blatt mehr dazwischen passen wuerde und die Bauweise der aufgepfropften Kirchen wirkt im direkten Vergleich nahezu laecherlich. Etwas oberhalb der Stadt besuchen wir die Festungsanlage Saqsaywamán, wo schon fuer Inti Raymi geprobt wird und strenge Sportlehrer arme Schueler umherscheuchen. Die Inkas haben hier zum Schutz, an einer strategisch schwachen Stelle, tonnenschwere, passgenaue, gigantische Zyklopenmauern erbaut, die bis jetzt jedem Zerstoerungsversuch oder Erdbeben getrotzt haben und selbst heutzutage, mit all den modernen Mitteln, waere es unmoeglich, aehnliches nachzubauen. Ein absolutes Mysterium und man fuehlt sich doch etwas nichtig neben all der Perfektion...

Cusco hat aber auch Neues zu bieten und abends erkunden wir am liebsten die zahlreichen Pubs und Kneipen der Altstadt. Vor allem die gemuetliche Couchbar "Los Perros" hat es mir angetan und bei leckerem Fingerfood und Cocktail traeumen wir davon, sowas in Mannheim mal aufzuziehen!
Bevor es soweit ist, steht aber erst noch DAS Highlight Perus auf dem Programm. Wir wollen nach Machu Picchu, was aber seit der Privatiesierung zu einem aeusserst kostspieligen Unterfangen wurde. Jeder Reisende hat aber den Supertipp, wie man am billigsten die geheime Anlage der Inkas besucht, die nachwievor nur mit Zug erreicht werden kann. Zuerst fahren wir mit den Mopeds so nah die Strasse fuehrt und landen in Urubamba, wo uns ein Campingplatz empfohlen wurde. Auf der Suche danach landen wir zufaellig im Garten eines motorradbegeisterten Peruaners, der uns kurzerhand einlaedt, doch die Zeit ueber hier zu campieren! Mit dem billigsten Zugticket geht es am naechsten Abend nach Aguas Caliente, dem Dorf am Fusse des Inkahuegels. Die Platzreservierung im Zug ist doppelt belegt, was die Leiterin einer franzoesischen Reisegruppe einem Herzinfarkt nahebringt, aber nach ein paar Gespraechen werden wir kurzerhand in den Angestellten- und Restewagen verfrachtet. Die Nacht ist kurz, denn der erste Bus zu den Ruinen faehrt schon um 7 Uhr und wir wollen vor den Tourimassen oben sein, die spaeter direkt aus Cusco kommen. Nach 20 Dollar fuer Zug & Bus plus 10 weiteren fuer den Eintritt, fuehlen wir uns schon so abgezockt, erklimmen miesgelaunt und verschlafen die letzten Stufen und glauben gar nicht mehr, dass Machu Picchu uns gefaellt. Nichtsdestotrotz haben sich alle Strapazen gelohnt, denn die Anlage ist wirklich ueberwaeltigend und liegt traumhaft mitten im Dschungel, umringt vom Urubambafluss und bewacht vom Berg Huaina Picchu.
Wieder weiss niemand, wozu dies alles hier einmal diente, es gibt Palaeste, Tempel, Handwerksviertel, Gehoefte und ein ausgekluegelte Wasserleitungssystem, was in die Badehaeuser des Inkas muendet. Insgesamt 216 Gebaeude entstanden hier, ein richtiges kleines Dorf, und durch die angrenzenden "haengenden Gaerten" war die Gemeinschaft komplett autark. Die ersten Stunden sind wir fast alleine hier oben, aber um die Mittagszeit wird eine Busladung nach der anderen ausgespuckt. Zusammen mit ihren Fuehrern erkunden vor allem amerikanische und japanische Reisegruppen mit einem Durchschnittsalter von 60 Jahren die Anlage und bizarrste Szenen spielen sich vor uns ab. Ueber einen wirklich breiten Holzsteg muessen einige Damen fast hinuebergetragen werden und kreischen "oh, what an adventure!!" und eine schnauzt ihren Reiseleiter an, dass sie keine Treppen laufen koenne und er gefaelligst einen einfacheren Weg nehmen muesse, was die Inkas aber wohl nicht eingeplant hatten. Andere werden von ihren Guides mit haarstraeubenden Geschichten versorgt und ueberhaupt scheint jeder etwas Spezielles und Neues zu wissen. Am schlimmsten sind jedoch die esoterisch angehauchten Gruppen, die dann kollektiv ihre Haende ueber einen Zeremonienstein kreisen lassen, um spirituelle Energie zu tanken ;-)) und wir machen uns lieber schnell an den Abstieg, bevor die Esoterikwelle auch auf uns ueberschwappt...Schon nach wenigen Metern ist von Machu Picchu kaum mehr was zu sehen, womit erklaert ist, warum dieser Riesenkomplex so lange unentdeckt bleiben konnte.
Um 6 Uhr morgens! Bringt uns ein Zug wieder nach Urubamba und zu unseren Motorraedern. Ganz in der Naehe des Dorfes schauen wir uns noch Salinen an. An einem Berghang wurden schon vor 1000 Jahren unzaehlige kleine Becken angelegt, in die ein salziger Bach geleitet wird. Durch die Sonneneinstrahlung bleibt irgendwann nur noch das Salz uebrig und kann abgeschoepft werden. Inzwischen ist die Arbeit fuer den Lebensunterhalt nicht mehr rentabel, aber trotzdem bewirtschaftet noch jede Familie 1-100 Felder, wie bei uns die Leute Schrebergaerten.
Noch am gleichen Tag fahren wir wieder zurueck nach Cusco, wo wir von den Maedels des Hostels ueberschwaenglich empfangen werden. Markus hatte ihnen zuvor eine kleine Spazierfahrt versprochen und faehrt jetzt mit jeder einmal um den Block, was diese zu Kreischorgien veranlaesst! Wir haben immer noch nicht alle Kirchen und Museen der Stadt besucht und sind so noch ein paar Tage beschaeftigt, wobei wir so langsam aber keine Mauern mehr sehen koennen. Ausserdem haben wir uns mit Kathrin verabredet, einer Freundin der Dresdner fuer die wir ein Paket haben. Sie ist seit ein paar Monaten mit dem Fahrrad unterwegs und im "Los Perros" werden die diversen Zustaende des Magen-Darm-Traktes waehrend solch einer Reise diskutiert...




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