Über den Dächern von Nasca


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Schon kurz nachdem wir in Nasca ankommen treffen wir uns mit Sibylle und Marco. Es wird ein langer Abend, mit einigem an Bier und Pisco Sour - schliesslich hatten wir uns das letzte mal in Puerto Natales im Januar gesehen und es gibt einiges zu erzaehlen, was so in den letzten Monaten passiert ist.Sibylle unser Pilot "Angel" und Markus Fuer den naechsten Morgen verabreden wir uns um eine der vielen kleinen Cessnas zu chartern, mit denen man die Nasca Linien von oben bewundern kann. Die Nasca Linien, das sind ca. 20cm tiefe und 1 m breite in den Wuestenboden gescharrte Bilder, die vor ueber 2000 Jahren von den Nasca Indianern in die Erde gezogen worden sein sollen. Entdeckt wurden sie 1933 als man das Gebiet in niederiger Hoehe beim Studieren alter Bewaesserungskanaele ueberflog.Seitdem haben sich viele mit der Deutung der Linien beschaeftigt. Die Deutsche Maria Reiche hat vor Ort ueber 40 Jahre lang die Scharrbilder studiert. Ihre Deutung besagt, dass die Linien ein praehistorischer astronomischer Kalender sei. Es gibt auch andere Theorien - von Marskanaelen bis hin zu Landeplaetzen fuer ausserirdische Raumschiffe (Erich von Daeniken 1968). Ein interessantes BBC Video favorisiert die Theorie, dass die Bilder die Goetter in der trockenen Wueste um Regen beschwoeren sollen. Immerhin sind viele der Motive, Tiere die mehr im Dschungel als in der Wueste vorkommen (Kolibri, Affen,...).Also fahren wir zum Flughafen und schon wenig später sitzen wir zu dritt plus Pilot in der Cessna 172. Sibylle vorne Marco und ich hinten, drehen wir unsere Runden ueber die Figuren. Jede Figur wird einmal von links und einmal von rechts angeflogen, so kann jeder mit Kamera und Magen zugleich kaempfen. Nach 40 Minuten ist der Spass schon vorbei und wir landen sicher wieder in Nasca. Die geometrische Genauigkeit der Linien ist aus der Luft noch besser zu sehen und man fragt sich schon wie die Bilder in derartiger Perfektion in den Wuestenboden gekommen sind ?

Der AstronautNach dem Frühstueck, welches wir wohlwissend für nach dem Flug aufgespart hatten, geht es Nachmittags zu ebenso 2000 Jahre alten Gräberfeldern der Nasca Indianer. Die hier in der typischen Hockstellung beerdigten Menschen sind aufgrund der extremen Trockenheit der Wüste allesamt sehr gut erhalten. Die mit Naturfarben gefaerbten Umhaenge haben auch nach tausenden von Jahren noch kraeftige Farben und von unserem Tourguide (einem Archäologiestudenten) bekommen wir noch einem Microkurs in Skeletologie...Leider ist wegen Geldmangel das gesamte Gebiet für jedermann frei zugänglich und die 2000 Jahre alten Tonscherben (und teilw. auch die Mumien bzw. deren Schmuck), die üeberall verstreut rumliegen, können einfach so eingesammelt werden (was wir natuerlich nicht gemacht haben !).
Der Abschluss der Tour (eine der wenigen, die wir während der gesamten Reise gemacht haben) führt uns noch in Nasca zu einem ehemaligen Goldgräber. In seinem Hinterhof hat er ein Tisch mit Kuriositäten in Modellgrösse aufgebaut, an denen er vorführt, wie Gold gewonnen wird. Zunächst kommt das Gestein aus dem Berg und wird zerkleinert, dann wird gewaschen und gesiebt. Alles untermalt mit witzigen Geräuschen. Als er dann den Part mit dem Quecksilber ohne Handschuhe usw. vorführt, treten wir alle etwas erstaunt zurück. Zum Schluss gibt es wirklich noch einen Klumpen Gold zu bewundern, wobei wir uns nicht sicher sind ob wir nicht etwas an der Nase herum geführt wurden. Marco und Sibylle

Wir verabschiden uns von Marco und Sibylle, die weiter in Richtung fahren und machen uns selber auf den Weg in den Süden zum Colca Canyon. Unterwegs verbringen wir mal wieder eine Nacht in unserem Zelt. Nach so vielen Hotels die wir gezwungenermassen aufsuchen mussten, geniessen wir die Nacht draussen mal wieder richtig. Wenn man die vorbeidonnerden LKW's der Panamericana mal vergisst, koennte man meinen man zelte auf dem Mond, so bizarr ist die Landschaft hier. Den nächsten Tag geht es auf der Panam weiter durch die Wüste. Hin und wieder führt die Strasse bis direkt ans Meer und der heftige Wind weht den Sand oft ueber die Fahrbahn.

Wir verlassen die Küste bei Camaná, wo wir Richtung Colca Canyon ins Landesinnere abbiegen. Hier hat sich das Tal weit tiefer als der berühmte Grand Canyon in den USA zwischen die Felsen eingegraben. Wir übernachten in der Ortschaft Cabanaconde, in der alle damit beschäftigt sind, das kommende 4 Tage Dorffest vorzubereiten. Neben den üblichen Prozessionen gibt es auch ein Pferderennen, das bei Vollmond um Mitternacht abgehalten wird. Wir können leider nicht dabei sein und brechen am nächsten Tag schon wieder auf. Die Strasse führt uns weiter zum Cruz del Condor, wo man die majestätischen Kondore aus nächster Nähe beobachten kann. Die Neuweltgeier steigen hier Morgens in der Thermik auf und fliegen auf der Suche nach Nahrung teilweise bis zur 100km weit entfernten Küste. Wir können unmittelbar einige Rabengeier ausmachen und sehen später weiter entfernt einen echten Kondor. Den Rest des Tages nutzen wir um die unglaublich schlechte Piste (Löcher so gross - da passen ganze Autos rein !) nach Chivay weiter zu fahren. Chivay ist ein nettes Andendorf mit natürlichen Thermen, ganz in der Nähe. Wir gönnen uns einen langen Nachmittag im superheissen Wasser um die von den Pisten durchgeschüttelten Knochen zu entspannen.

Bei der Abfahrt nach Arequipa kommen wir nochmal durch eine richtige Andenlandschaft, die hier sogar als Naturschutzgebiet ausgewiesen ist. Mit viel Glück kann ich neben der Piste ein ganzes Rudel der extrem scheuen Andenhasenmäuse entdecken. Die Tiere beobachten noch sehr interessiert, wie ich absteige und das Teleobjektiv aus der Alubox hole und auf die Kamera montiere. Als ich jedoch den Apparat hochnehme verschwinden sie alle hinter den Felsen. Als ich wiederum die Kamera wegpacke kommen sie wieder aus ihren Verstecken...sehr toll.

Arequipa, das ist die "weisse" Stadt Perus. Benannt nach dem Sillar einem vulkanischen Gestein, aus dem fast alle Gebäude sind. Auf angenehmen 2700m gelegen ist Arequipa mal wieder eine Stadt des ewigen Frühlings. Neben den vielen Kirchen und den wunderschönen 2 stöckigen maurischen Arkadengängen am Plaza ist der Besuch des St. Catalina Convents ein absolutes Muss in Arequipa.

Mit 20.000 Quadratmetern ist die Anlage eine Stadt in der Stadt. Das Kloster wurde vor 400 Jahren gegründet und ist erst seit 1970 nach Renovierungen für die Öffentlichkeit zugänglich. Die in leuchtendem ocker und blau gehaltenen Wände lassen die (Foto-) Auslöserfrequenz hochschnellen. In den nach spanischen Städten benannten Gassen liegen jeweils abgetrennte Wohnbereiche in dem die Nonnen früher lebten. Jeder Wohnbereich verfügt über eine eigene Küche.Auch heute noch gibt es Nonnen die sich jedoch in einen kleinen Teil der Anlage zurückgezogen haben. Einige Räume sind als Austellungsräume konzipiert und im Gemeinschaftsraum sind Kunstwerke, vor allem der Cusco Schule, ausgestellt. Wir kommen aus dem Staunen nicht mehr raus und als der dritte Film voll ist verlassen wir die Anlage wieder. Nach Arequipa geht es weiter südlich über Moquegua und Tacna zur chilenischen Grenze. Unser letzter Grenzuebertritt in Südamerika steht bevor...

 

 

Letzte bekannte Position W: 071°32'59,7'' S:16°24'01,0'' (Arequipa Zentrum)




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