Von Santiago nach Frankfurt


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Regierungssitz Santiago Geschafft von der Nacht im Bus und inmitten vieler hundert chilenischer Berufspendler finden wir uns am frühmorgendlichen Busterminal von Santiago wieder. Wir gönnen uns erstmal einen Kaffee, da wir so früh morgens noch niemand im Hostel nerven wollen. Am Anfang der Reise kam uns Santiago schon noch ein bisschen wild und gefährlich vor - jetzt nach 10 Monaten haben wir das Gefühl mitten in Europa zu sein. Leider sind auch manche Preise eher europäisch. Die Chilenen sind halt irgendwie pragmatisch und vor allem am Knete machen interessiert, was in Santiago am deutlichsten zum Vorschein kommt. Hochglanzbauten der Banken und kilometerlange Strassenzüge mit Supermärkten, Autohäusern und Heimwerkermärkten prägen das Bild. Zunächst sind wir noch, weil es uns dort so gut gefallen hat, wie am Anfang der Reise im Casa Kolping untergebracht - haben dort wieder unser altes Zimmer und schliessen so ein wenig den Kreis auf der Reise. Bald folgen wir jedoch der Einladung von Nicole, die witzigerweise an der gleichen Hochschule wie ich studiert hat und seit einigen Jahren in Santiago wohnt wo sie jetzt ihren Doc in Biotechnologie macht.
Wir schauen uns noch ein paar Sehenswürdigkeiten an und gehen einen Abend mit Nicole und Daniel auf ein Konzert, dass in einem Privathaus stattfindet. Nach einiger Zeit tümmeln sich auf der Bühne so ca. 5 Bassisten - was der Sache zumindest das Prädikat "experimentell" gibt auch weil nicht nur musiziert wird sondern auch dazu noch eine Art Schauspiel aufgeführt wird.
1. Länge Triumviratum Durch die lange Kletterabstinenz kribbelt es mir heftig in den Fingern und ich investiere meine letzten Reise-Dollars in einen Eisklettertag. Durch eine Reisebekanntschaft komme ich an die Telefonnummer von Eduardo - wie sich später herausstellt einer der besten (Eis-)Kletterer Chiles ( von den 10 die es in Chile gibt...?). Wir treffen uns früh morgens und ich bin froh gut durch die Stadt gekommen zu sein, denn ausgrechnet an diesem Tag finden in Santiago ausgedehnte Studentendemos statt, wobei immer mit Strassensperren zu rechnen ist. Wir verladen die Ausrüstung auf Eduardos museumsreifen Pickup und folgen einer eher schlechten 30km langen Schotterpiste rauf zur Embalse El Yeso im Cajon del Maipo. Abseilen über Triumviratum Hier auf ca. 3000m Höhe ist es noch (?!) kalt genug um Wasser und Schnee zu Eis zusammenzuhalten. Eduardo kommt eigentlich aus Spanien und hat dort mal BWL studiert. Nach einigen Jahren im Job hat er eine Chilenin geheiratet, den Job an den Nagel gehängt und widmet sich jetzt hauptsächlich dem Klettern. Eduardo erklärt mir, dass wir die Einführung auf nach dem Klettern verlegen müssen da es später zu warm wird und das Eis jetzt noch besser ist. Klingt irgendwie logisch und wir steigen gleich in 1. Länge von "Triumviratum (WI 4)" ein. Als ich mit dem Nachstieg beginne bin ich hauptsächlich damit beschäftigt mich mit den scharfen Eisgeräten nicht selbst zu verletzten und vor allem - das hat mir Eduardo mehrmals eingeschärft- ja nicht auf das Seil damit...:) Nach der ersten Steilstufe sind die Arme schon ordentlich zugelaufen und ich bin froh am ersten Stand angekommen zu sein. Anders als beim Felsklettern besteht der Stand nicht aus eingebohrten Ringen sondern aus zwei ins Eis eingedrehte Eisschrauben , was bei mir als Eiskletterneuling nicht gerade zur völligen Entspannung am Stand sorgt aber eigentlich macht mir die direkt über dem Stand folgende Steileisstufe mehr Sorgen. Eduardo "fliegt" im Vorstieg hoch und bei mir klappt es wieder Erwarten auch noch ganz passabel. Als ich am 2. Stand ankomme bin ich schon richtig platt... Wir seilen über die Tour mit Hilfe von zwei Abalakov Eissanduhren ab und holen die Einführung nach. Jetzt am Nachmittag ist es schon zu warm und das Eis wäre zu weich für eine weitere Tour. Ich lerne noch die Eisgeräte richtig zu benutzten und woruaf es beim Eisschrauben setzten ankommt. Wir rollen wieder die Piste runter und bereits am Abend kann ich mir ausmalen, was das für eine Muskelkater gibt. Es hat auf jeden Fall super Spass gemacht und ich bin mir sicher Eisklettern hat ein extrem hohes Suchtpotenzial...
Wer sich für mehr davon interessiert hier noch ein Link zur chilenischen Kletterseite www.escalando.cl
Verpacken der XT's Da es uns in Mendoza so gut gefallen hat und wir noch etwas Zeit übrig haben beschliessen wir noch mal schnell rüberzumachen und besorgen uns kurzum ein Ticket mit turbus Santiagao-Mendoza-Santiago. Eigentlich hatten wir ja geplant noch einen mini Skiurlaub in Argentinien dranzuhängen und das Internet verspricht auch trotz Anfang Frühling noch beste Bedingungen. In Mendoza zeigt sich jedoch ein etwas anderes Bild der Lage und die meisten Skitouris kommen ziemlich enttäuscht aus Las Leñas zrück und haben als Kommentar nur ein abfälliges "feo" übrig. Insgesamt herrscht in Mendoza auch eher Frühlingsstimmung. Trotz unserem auf der Reise kaum übertreffbaren Optimismus blasen wir die Sache ab und relaxen einfach so in Mendoza geniessen Wein und wahrscheinlich den besten Tenedor libre (ALL YOU CAN EAT) der Welt.
Verpacken der XT's Eine Woche vor unserem Abflug nach Europa fahren wir auf der 500er bepackt mit unseren Zurrgurten und Verpackungsmaterial zum Aeropuerto Internacional Arturo Merino Benítez. Die 600er ist ja schon da und nach einer knappen halben(!) Stunde Papiekram in den Büros der Spedition stehen wir vor einem Lagerhaus hinter dem Frachtterminal mit den zwei Motorrädern und unserer Palette. Die Palette konnten wir ja netterweise bei der Spedition einlagern und sie war nach 10 Monaten bis auf den fehlenden Deckel noch vollständig erhalten. Wir ziehen die abgefahrenen Reifen, mit den wir in Deutschland allerhöchstens noch ein müdes Lächeln erzielen würden, ab und verpacken Sie so auf den Felgen stehend. Wiedersehen am Flughafen in Frankfurt Das gesparte Gewicht wird mit Zelt, Helmen und Motorradjacken aufgefüllt. Die Kiste wird zum Schluss mit Cellophanfolie eingewickelt und die Folie ersetzt so auch den fehlenden Deckel. Am Ende haben wir zwei Haufen: Eine Kiste mit zwei Motorrädern drin und eine ziemliche Ansammlung von Müll. Um vielleicht aufkommenden Vermutungen gleich entgegenzukommen: Nein die Spedition hat nicht den Müllhaufen mit dem "XT-Haufen verwechselt"... Netterweise wird der Müll und das angefallene Restbenzin von der Spedition entsorgt. Wir fahren mit fast gar nichts mehr ausser dem kleinen Tagesrucksack mit dem Bus zurück in die Stadt.
Die letzten Tage in Santiago vergehen wie im Flug. Wir geniessen noch an den verbleibenden Tagen die besten Empanadas de Mariscos ganz Chiles und decken uns in der Stadt noch mit den hier wesentlich billigeren Klamotten ein. Am 29. August ist es dann soweit: Wir fahren Nachmittags mit dem Taxi zum Flughafen. Es folgen 20 Stunden Flugmarathon über Atlanta und New York in den USA zurück nach Frankfurt wo wir am 31.August früh morgens ankommen. Dort empfangen uns unsere Eltern, die uns ja solange entbehren mussten...und alle freuen sich riesig über das Wiedersehen.





Allerletzte bekannte Position W: 070°33'55,8'' S:33°25'29,4'' (Casa Kolping Santiago de Chile)




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